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Die Macht des Framings

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Was ist besser 10% fetthaltig oder 90% fettfrei? Je nachdem, wie bestimmte Sätze formuliert oder welche Worte benutzt werden, kann man seine Rezipient:innen beeinflussen. Warum das unvermeidbar, aber trotzdem gefährlich ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Fra•ming aus dem Englischen. Einrahmen oder einbetten.
Beschreibt den Effekt, dass identische Informationen durch unterschiedliche Formulierungen das Verhalten der Rezipient:innen verschieden beeinflussen. 

Vereinfacht gesagt: Hört man bestimmte Wörter oder Sätze, dann verbindet man damit bestimmte Bilder, Gefühle oder Emotionen. Durch eine bestimmte Wortwahl kann so die Wahrnehmung oder der Blickwinkel der Empfänger:innen beeinflusst werden.

Das ist per se nichts Schlimmes. Frames entstehen automatisch bei fast allem was du hörst und was du sagst.

Wenn du zum Beispiel das Wort Winter liest, dann verbindest du automatisch weitere Begriffe damit, zum Beispiel Kalt. Schnee. Gemütlich. Weihnachten. Skifahren. Das ist der Deutungsrahmen.

Der Deutungsrahmen ist dabei auch individuell und auch von Erfahrungen und der eigenen Einstellung abhängig. Wenn ich zum Beispiel an das Oktoberfest denke, dann assoziiere ich damit negative Dinge, wie Alkoholexzesse, den Kotzhügel und eine Prise Sexismus. Andere Menschen verbinden damit sicherlich andere, positive Dinge, wie Zeit mit Freunden, deftiges Essen, gutes Bier und gesellige spaßige Tage.

Wie kann man Framing sichtbar machen?

Ein sehr bekanntes und anschauliches Beispiel von Framing haben die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky im Jahr 1981 im Science Journal veröffentlicht.

In dem Versuch wird ein Szenario entworfen, in dem eine Krankheit in den USA ausgebrochen ist, die unbehandelt 600 Menschen töten wird. Es gibt aber verschiedene Rettungsmodelle.

Rettungsprogramm A: 200 Personen werden gerettet

Rettungsprogramm B: Es gibt eine ⅓ Wahrscheinlichkeit, dass alle 600 Menschen gerettet werden und eine ⅔ Wahrscheinlichkeit, dass niemand gerettet wird.


Bei der Frage, welches Rettungsprogramm sie wählen würden, entschieden sich 72% der Teilnehmer:innen für das erste und 28% für das zweite Programm. In einem zweiten Versuch mit unterschiedlichen Proband:innen wurden ebenfalls zwei Rettungsprogramme vorgegeben.

Rettungsprogramm C: 400 Menschen sterben.

Rettungsprogramm D: Es gibt eine ⅓ Wahrscheinlichkeit, dass niemand stirbt und eine ⅔ Wahrscheinlichkeit, dass alle 600 Menschen sterben.

Bei diesen Formulierungen wählten 22% das erste und 78% das zweite Programm. Die vermittelten Informationen sind dabei gleich, nur der Blickwinkel ist ein anderer. Durch die Wortwahl und Formulierung werden verschiedene Gefühle ausgelöst, die auch in die Entscheidung miteinfließen. Diesen Effekt nennt man Framing.

Wann Framing zum Problem wird.

Worte haben Macht und können beeinflussen. Durch gezieltes Framing kann man auch objektive Informationen durch eine bestimmte Wortwahl verzerren.

Beispiel: 

Grüne Zukunft: Bereits 50% des erzeugten Stroms stammt aus erneuerbaren Energiequellen.

Versagen in der Klimapolitik: Noch immer stammt 50% des erzeugten Stroms aus klimaschädlichen Energiequellen.

Eigentlich vermittelt die Aussage, wie beim letzten Beispiel auch, die gleichen Informationen, hinterlässt aber ganz unterschiedliche Gefühle. Während die Grüne Zukunft eher Fortschritt, Erfolg und Hoffnung impliziert, assoziiert man mit dem Versagen Stillstand, Fehler oder politische Inkompetenz.

*Beispiel stibitzt aus einem Erklärvideo von mephisto 97.6

Die Manipulation oder Beeinflussung durch Sprache ist auch in der Werbung, im Journalismus, der Politik, aber auch in alltäglichen Konversationen gang und gebe. 

Framing erkennen.

Ein erster Schritt, um Framing besser einordnen zu können, ist es, sich der Existenz überhaupt erst bewusst zu sein. Framing ist wie gesagt zunächst nichts Schlimmes. Trotzdem sollte man sich beispielsweise beim Konsum von Werbung, Medien oder politischen Talkshows  immer die Frage stellen: Welche Worte werden mit welcher Absicht gewählt? Welche Emotionen werden durch die Wortwahl oder bestimmte Formulierungen ausgelöst? Inwieweit kann ich das Gesagte vielleicht in eine für mich neutrale Sprache übersetzen und die Position dann nochmals überprüfen?

Auch man selbst kann natürlich darauf achten, stark geframte Begriffe nicht weiter zu reproduzieren.

Wie ist das bei euch? War es euch bewusst, wie sehr Formulierungen uns in unserer Wahrnehmung und Meinungsbildung beeinflussen können? Habt ihr Tipps, um gezieltes Framing besser einordnen zu können? Wo ist euch extremes Framing aufgefallen?

Quellen:

Spektrum: Wie mächtig Framing wirklich ist

Science Magazin: Kahneman, Tversky (1981): The framing of decisions and the psychology of choice

Beispiel 2 aus einem Video von mephisto 97.6

Bedeutung Online: Was ist Framing? Bedeutung und Definition

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