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Wie man wissenschaftlich widerlegt

Du möchtest dieses Weihnachten dem typischen Stammtisch-Gerede endlich mal Paroli bieten? Wir zeigen dir, wie du in der Diskussion (zumindest theoretisch) bestehen kannst. Anwendbar ist diese Technik übrigens nicht nur bei Klimawandel-Diskussionen.

Was wichtig ist…

Zuallererst sollte man sich bewusst sein, was man mit der Diskussion erreichen möchte. 

Ist eine sachliche Diskussion mit der Person möglich? Ist sie zugänglich oder provokant? Aus Selbstschutz (oder um den weihnachtlichen Frieden zu wahren) eine Konfrontation verhindern zu wollen, wird dir niemand übelnehmen. 

Wie funktioniert Debunking?

Man kann sich den Vorgang einer wissenschaftlichen Widerlegung wie einen Mechanismus mit Zahnrädern vorstellen.

Irgendwo im Getriebe, also im Denkprozess, wird ein elementares Zahnrad durch eine Falschinformation besetzt. Das Ziel der Widerlegung ist es, dieses falsch besetzte Zahnrad mit Fakten auszutauschen. Wichtig ist dabei, dass man immer eine faktische Alternative zur Falschmeldung anbietet, damit keine Lücke entsteht.

Denn genau solche Lücken bieten sich an, durch falsche oder vereinfachte Information gefüllt zu werden.

Der Fokus bei der Widerlegung sollte immer auf der eigenen wissenschaftlichen Argumentation liegen und Falschinformation oder Trugschlüsse auch immer als solche benannt werden. Bei einer Widerlegung startet man daher nicht damit, zu erklären, warum ein “Zahnrad” falsch ist, sondern eher damit, warum das einzusetzende Zahnrad faktisch gesichert ist. Erst anschließend kann man auch versuchen zu erklären, warum der Gegenüber einem Irrglauben anhängt. Gelingt es diesen Zusammenhang, die beiden Zahnräder zu erklären und erfolgreich auszutauschen, ist die wissenschaftliche Widerlegung abgeschlossen.


Wenn Onkel Herbert bei der Weihnachtsgans also plötzlich poltert: “Klimawandel gibt es nicht, weil es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens”, wie kann man da reagieren? 

Zum Beispiel so:

“Hey Onkel Herbert. Über 98% aller Klimawissenschaftler*innen sind sich einig, dass der Mensch für den derzeitigen Klimawandel verantwortlich ist. Das zeigt eine Auswertung aus 21 Jahren und über 12.000 wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema.

Tatsächlich gibt es eine Petition von über 31.000 Wissenschaftler*innen, die den Einfluss des Menschen anzweifeln. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine gemeinsame Arbeit von Klimawissenschaftler*innen, sondern um eine Petition, die von ein paar Klimaforscher*innen unterschrieben wurde, aber eben auch von vielen weiteren Menschen, wie Mediziner*innen oder Ingenieur*innen, die diesem Fachbereich nicht angehören und keine Expertise in der Klimawissenschaft haben.

Dass es keinen wissenschaftlichen Konsens unter Klimaforscher*innen gibt, stimmt daher nicht. Vielmehr ist sich da der Großteil aller Wissenschaftler*innen dieses Gebiets sehr einig.”

Nicht jeder Mensch ist für solch eine wissenschaftliche Widerlegung zugänglich, weil auch ein ganzes Maß an Selbstreflexion dazu gehört, festgefahrene Denkweisen zu lösen und andere Sichtweisen zu akzeptieren. Das merkt man nicht erst seit den Diskussion rund um die Corona-Pandemie. Trotzdem sollte man auch immer Acht auf sich selbst geben. Wenn man merkt, dass ein Streit vorprogrammiert ist oder die Diskussion auf einer faktenfernen oder persönlichen Ebene stattfindet, dann könnte es auch besser sein, konfliktreichen Themen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn Menschen mit Falschaussagen um sich werfen, bleibe freundlich, sachlich und konstruktiv.




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