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Wie nachhaltig ist das Stadtleben?

Vergangene Woche haben wir euch gefragt, wie einfach oder schwer es euch fällt, in der Stadt nachhaltig zu leben. Unser Postfach ist aus allen Nähten geplatzt. Danke für all die Erfahrungen und Geschichten, die ihr mit uns geteilt habt! Was wir daraus vor allem mitgenommen haben: Es scheint eine Menge Redebedarf zu geben. Werden Menschen, die sich bewusst dazu entscheiden, nachhaltiger leben zu wollen, immer noch zu viele Steine in den Weg gelegt?

Wie nachhaltig ist das Stadtleben?

Woran denkt ihr bei dem Wort Stadt? An Fluglärm, verstopfte und verdreckte Straßen oder an Unverpacktläden, Second-Hand-Shopping und Gemeinschaftsgärten?

Wir haben euch vergangene Woche gefragt, wie einfach oder schwer ein nachhaltiger Lebensstil in der Stadt umzusetzen ist. Danke für all die Erfahrungen, die ihr mit uns geteilt habt.

Ernährung

Was schnell auffällt: Vor allem die Verfügbarkeit veganen oder plastikfreien Lebensmitteln ist ein Pluspunkt in der Stadt. 

47,3 Prozent der Befragten gaben an, dass es in der Stadt viel einfacher sei, sich vegan zu ernähren oder auf Plastik zu verzichten, sei es durch eine höhere Dichte an Unverpacktläden oder bessere Vernetzung in Foodsharing-Gruppen.

5,4 Prozent von euch vermissen in der Kategorie Ernährung dagegen einen eigenen Garten für den Gemüseanbau und haben angegeben, dass der Balkon hierfür nicht ausreicht.

Konsum

Beim Bereich Konsum wart ihr geteilter Meinung. Viele von euch schätzen die vielen Möglichkeiten der Stadt, um sich mit Second Hand Mode, Naturkosmetik oder anderen Produkten einzudecken. Gleichzeitig kritisieren einige von euch, dass man insgesamt einer viel größeren Konsumkultur ausgesetzt ist. Hier mal ein To-Go-Becher, dort mal eine Bäckertüte und unzählige Einkaufsmöglichkeiten an jeder Ecke: Hier herrscht die ständige Versuchung, Dinge zu kaufen, die man gar nicht braucht.

Mobilität

Den gravierendsten Unterschied zum Land seht ihr im Bereich Mobilität. 43,6 Prozent äußerten sich positiv gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr, und dass ein Leben ohne eigenes Auto viel einfacher umzusetzen sei; unter anderem zum Beispiel auch durch kürzere Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. Ganze 45,5 Prozent der Befragten schätzen die zentrale Anbindung.

“Seit wir als 5köpfige Familile ausschließlich Fahrrad fahren, fühlt sich unser Lebensstil schon sehr nachhaltig an. Dies ist möglich, da wir uns ein Leben der kurzen Wege organisiert haben. Dieses Konzept ist sicherlich in der Stadt viel einfacher umsetzbar. Wir haben 2 Jobs, die Wohnung, Schule, Kinderkarten und 5 Hobbies der Kinder in maximal 20 Minuten Fahrradentfernung”, berichtet @sumiarchitektur.

Trotzdem: Die Stadt sei immer noch mit Autos verstopft und der ÖPNV zu teuer, kritisierten einige.

Mindset

Auch das Umfeld habe einen großen Anteil am nachhaltigen Lebensstil. Während sich auf dem Land einige Verfechter*innen des nachhaltigen Lebensstils wie “Aliens” fühlen, scheint es in der Stadt diesbezüglich mehr Konsens zu geben. Jede*r Zehnte erlebt mehr Aufklärung und Bewusstsein für die Umwelt, sowie mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Das äußert sich sich bei euch in Form von Projekten und Initiativen (Tauschbörsen, Food- und Carsharing) oder einer vielfältigen Parteienlandschaft.    

Was uns überrascht hat: Obwohl bei unserer Umfrage mehr als Zwei Drittel angegeben haben, in der Stadt zu wohnen, bezogen sich mehr als doppelt so viele eurer Nachrichten auf das Landleben. Woran liegt das? Vielleicht, weil es auf dem Land mehr Redebedarf gibt?

Ein User fasst es so zusammen:

“Ich glaube, in der Stadt wird es einem deutlich einfacher gemacht, man muss es nur wollen und auf dem Land will man es eher, es wird einem aber erschwert.”

Überrascht hat uns außerdem, dass der Bereich Energie nicht der erste Gedanke ist, der den Befragten in den Sinn kommt, obwohl er bezogen auf die Klimabilanz mit den größten Einfluss hat. Nur eine Person erwähnte diesen Faktor.

Wir möchten uns noch einmal bei allen bedanken, die uns von ihren Erfahrungen berichtet haben. Wir haben einen tollen Einblick bekommen, welche Möglichkeiten es in der Stadt und auf dem Land gibt, sein Leben nachhaltig zu gestalten. Gleichzeitig haben eure Nachrichten auch offengelegt, dass es sowohl in der Stadt als auch auf dem Land noch viel Luft nach oben gibt.

Die Umfrage hat uns auch gezeigt, dass ein “nachhaltiges Leben” überall noch immer mit einem Mehraufwand verbunden ist. Sei es die Planung eines Wocheneinkaufes, weil die Einkaufsmöglichkeiten zu weit weg sind, der freiwillige Verzicht auf das Auto, obwohl man jede Woche ein paar Stunden länger unterwegs ist, ein teurer innerstädtischer ÖPNV oder die allgegenwärtigen Versuchungen der To-Go Produkte. 

Wir finden es ganz beeindruckend, wie kreativ viele von euch werden, fragen uns aber: Was muss geschehen, damit “nachhaltiges Leben” einfacher wird und man sich nicht mehr aktiv (und gleichzeitig durch vergleichsweise hohen Verzicht) dazu entscheiden muss?

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