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„Das Palmölbusiness bringt die Armut nicht nur hervor, es lebt von ihr.“

Ein Argument für Palmöl, das ich schon öfter gehört habe, ist: Das Palmölgeschäft ist für die Menschen vor Ort eine unheimlich wichtige Einkommensquelle, ohne die sie nicht aus der Armut herauskommen. Kathrin Hartmann, die das Buch „Die grüne Lüge“ geschrieben hat, bezeichnet das hingegen als die „schmutzigste Lüge“ im ganzen Palmölgeschäft. „Das Palmölbusiness bringt die Armut nicht nur hervor, es lebt von ihr. Armut ist seine wichtigste nachwachsende Ressource.“ Ich finde, sie hat recht. Ein Kommentar.

Es ist das Argument, das auf die ein oder andere Weise im Zusammenhang mit Globalisierung immer wieder auftaucht: “Ja, gerade schuften Arbeiterinnen in Bangladesch für unfassbar niedrige Löhne und zu absolut katastrophalen Bedingungen in Sweatshops, um für dich eine Jeans zu produzieren… Aber was ist ihre Alternative? Der Straßenstrich, oder die noch schlimmere, lokale Firma nebenan. Da doch lieber die Nähfabrik der europäischen oder amerikanischen Firma, die alle Mindeststandards einhält.

Ich weiß noch genau, was mein früherer BWL Professor immer gesagt hat: „Globalisierung bietet jedem, auch den Entwicklungs- und Schwellenländern, auf lange Sicht Perspektiven und einen Weg aus der Armut.“ Schon damals hatte ich daran einige Zweifel.

Denn ja, möglicherweise sind die Alternativen zu manchem Sweatshop, zu mancher Fabrik, und auch zu mancher Palmölplantage noch schlimmer. Aber ist das jetzt ein Grund, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, Globalisierung mit Weltretten gleichzusetzen und nachts wie ein betrunkenes Baby zu schlafen?

Die Globalisierung führt nur einen Teil zum Wohlstand

Gibt man den Menschen in einem Entwicklungsland denn wirklich eine wirtschaftliche Perspektive – und Perspektive bedeutet für mich, Aufstiegschancen, Chance zur Weiterentwicklung – wenn man sie zu sklavenähnlichen Bedingungen stupide und / oder gefährliche Arbeiten für einen Hungerlohn ausführen lässt?

Meine Meinung dazu: nein. Natürlich haben die meisten Unternehmen überhaupt kein Interesse daran, dass das Land und seine Bevölkerung sich wirtschaftlich weiterentwickeln. Denn dann würden diese ja nicht mehr für einen Spottlohn arbeiten und sie könnten ihre Produkte nicht mit riesiger Marge weiterverkaufen.

Kommen wir mal zu Palmöl. Verschiedene Studien, unter anderem von Nature, Brot für die Welt und Amnesty International, zeigen: Die Bedingungen vor Ort auf den indonesischen Palmöl-Plantagen sind fürchterlich. Auch diejenigen, die die Zertifizierung des sogenannten Runden Tischs (RSPO) haben.

Nicht nur liegt die Bezahlung laut Brot für die Welt auf vielen dieser Plantagen weit unter dem Mindestlohn, er sei sogar niedriger als zu Kolonialzeiten. Die Menschen kämen außerdem mit vielen Pestiziden in Kontakt, es gebe dort mangelnde ärztliche Versorgung und auch Kinderarbeit werde gefördert.

Gibt es nachhaltiges Palmöl?

Trotzdem kommuniziert die Palmöllobby klar: hier gibt es kein Problem. Die Autorin der “Grünen Lüge” Kathrin Hartmann erzählt in ihrem Buch davon, dass sich RSPO-Zertifizierer für das Nachhaltigkeitssiegel oft “nicht allzu tief in die Plantagen verirren”, in einem speziellen Fall hatten diese einfach bei der unternehmenseigenen Gelben Gewerkschaft nachgefragt, ob alles passt. Nicht viel Aufwand für einen nachhaltigen Stempel.

Und ja, vielleicht stimmt es und die momentane Alternative wäre für manche dieser Familien, die dort auf den Plantagen unter schlimmen Bedingungen leben, eine noch schlimmere. Aber das kann nicht der Maßstab sein für das Palmöl, das wir importieren. Das muss einfach besser gehen.  

Mein persönliches Fazit also: Ganz abgesehen von den Folgen für die Umwelt muss sich im Palmöl Business auch einiges ändern, bevor es sich als „Chance und Weg aus der Armut“ für die Bevölkerung in Indonesien und Malaysia präsentieren darf.




QUELLEN:
Kathrin Hartmann: Die grüne Lüge
Amnesty International: THE GREAT PALM OIL SCANDAL. LABOUR ABUSES BEHIND BIG BRAND NAME.
Brot für die Welt: Nachhaltiges Palmöl- Anspruch oder Wirklichkeit


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