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Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist.

Robin hatte Geburtstag und hat sich gewünscht, mal etwas Witziges zu schreiben. Diesen Wunsch konnten wir ihm einfach nicht ausschlagen.

Extreme Hitze, starke Unwetter, Fluchtbewegungen und Wasserknappheit. Die Folgen des Klimawandels haben wir hier bei nachhaltig.kritisch schon mehrfach behandelt. Und auch sonst ist das Wissen im politischen und öffentlichen Diskurs längst angekommen. Mal abgesehen von den politischen Maßnahmen, die in Anbetracht der drohenden Gefahr völlig unzureichend sind, habe ich mich gefragt: Wieso sind wir alle so gelassen?

„I don’t want you to be hopeful, I want you to panic! I want you to feel the fear I feel every day and then I want you to act!“, versuchte Greta Thunberg in ihrer Rede in Davos aufzurütteln. Trotzdem scheint das sehr viele Menschen so gut wie gar nicht bewegt zu haben. 

Einen gewissen Anteil der Menschen in Deutschland scheint sie mit ihren Worten jedoch nicht abgeholt zu haben, und auch die alarmierenden Appelle aus der Wissenschaft sind wohl nicht ausreichend, dass der Klimawandel ernst genommen wird.

Stattdessen wird in manchen Fällen gar eine kindlich-trotzige Jetzt-erst-Recht-Haltung an den Tag gelegt und eine Greta-Gegenbewegungen gegründet.

Doch keine Angst. Ich habe mir einen wasserdichten Plan ausgedacht, um das zu ändern. Wir müssen die Menschen einfach dort treffen, wo es wehtut; an der Achillesferse der Deutschen, die heute noch etwas auf sich halten: richtig, dem Bier.

Nein, bitte nicht das Bier!

Denn, und jetzt müssen wir alle ganz stark sein: Die Auswirkungen des Klimawandels werden nicht nur die Lebensbedingungen vieler Menschen extrem verschlechtern, nein, auch Bier wird zu einem absoluten Luxusgut!

Grund dafür seien vor allem starke Hitze- und Dürreperioden, heißt es in einem Artikel des Fachmagazins nature plant. Diese wirken sich auf die Gerste-Erträge aus, heißt es in der Studie, die sich mit dem  Einfluss von Extremwetterphänomenen auf die Gerstenernte beschäftigte und dafür 34 Regionen der Welt untersuchte. Das Ergebnis: Der Klimawandel könnte somit zu einem Gerstenverlust von jährlich drei bis 17 Prozent beitragen. Die Folgen wären fatal: Die Preise für Bier könnten sich verdoppeln. Ein schwerer Schlag für die Biernation Deutschland, in der jährlich mehr als 100 Liter flüssiges Gold pro Kopf konsumiert werden. Natürlich ist die Gerste nur eines von vielen Gütern, die durch den Klimawandel verknappt werden. Neben dem Bier ist zum Beispiel auch die Pommes bedroht. Dann gibt es bald gar keine Gründe mehr, ins Fußballstadion zu gehen… 🙁

Was ist also die Lösung? Die Gerste ersetzen? Das wird schwierig, denn dies wäre das Ende des deutschen Reinheitsgebotes.

Zum Glück gibt es aber Ansätze, das Problem zu lösen. Ich rede natürlich nicht von Maßnahmen in der Politik, um die Folgen des Klimawandels abzuschwächen. An der Uni Halle wurde an einer Gerstenlinie geforscht, die sich durch eine höhere Widerstandsfähigkeit bei Hitze und Trockenheit auszeichnet – mit Erfolg. Zumindest die Gerste scheint damit gerettet. Puh. Allerdings besteht Bier ja auch noch aus weiteren Zutaten. Auch der Hopfen wird wohl exklusiver und damit teurer, wenn Dürren zur Normalität werden. 

Schockt alles noch nicht? Wie sieht es dann mit Wein aus? Oder Kaffee? Alles Produkte, die anfällig für Klimaveränderungen sind. Und wenn das jetzt immer noch nicht überzeugt hat: Auch Wasser, essentiell für so ziemlich alles was man essen oder trinken kann, wird ebenfalls eine Ressource sein, deren Sicherung durch den Klimawandel erschwert wird. 

Okay, ich weiß, das sollte ein humoristischer Beitrag werden, aber ich möchte doch kurz noch etwas Ernstes zu der Studie loswerden. Denn so unwichtig, ja fast lächerlich die Bierknappheit im Anbetracht der lebensbedrohlichen Folgen des Klimawandels auch scheint, haben die Studie und die daraus resultierende Medienaufmerksamkeit trotzdem etwas Gutes.

1. Sie erreicht, wie vielleicht auch dieser humoristische Beitrag, Menschen auf einer ganz neuen Ebene.

2. Alleine die Schlagzeile: “Klimawandel erzeugt Biermangel” ist wirksam. Man hätte natürlich auch ein anderes Gut nehmen können, das durch Ernteausfälle teurer werden wird. Aber Bier schockt halt mehr.

3. sind solche Studien wichtig, um das Thema zu verankern, verschiedene Auswirkungen aufzuzeigen und neue Blickwinkel zu betrachten. Auch die Suche nach Alternativen ist essentiell, weil man sich nicht auf die Abschwächung des Klimawandels verlassen kann. 

Die Studie ist ein Fragment einer großen Bedrohung, die nicht zuerst die biertrinkenden Deutschen, sondern vor allem die Menschen in den Ländern des globalen Südens betreffen wird. Ich wünsche mir mehr Weitsicht, die nicht erst dann beginnt, wenn wir unser Feierabendbier nicht mehr bezahlen können, sondern wenn, wie schon jetzt, Menschenleben gefährdet sind.




QUELLEN:
Nature Plants: Decreases in global beer supply due to extreme drought and heat
Rede von Greta Thunberg in Davos
Universität Halle: Hitze, Salz, Dürre: Diese Gerste trotzt dem Klimawandel

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