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Wie nachhaltig ist Bier?

Ich gebe zu, ich trinke ab und an mal ein Bier. Und damit bin ich in Deutschland nicht alleine. Obwohl letztes Jahr keine Festivals oder Großveranstaltungen wie beispielsweise das Oktoberfest stattfanden, lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier bei 95 Litern. 

Und deutsches Bier ist, wie das Auto, ein Aushängeschild. Aber was für einen ökologischen Einfluss hat das flüssige Gold eigentlich?

Die Studienlage

Die Studienlage ist tatsächlich etwas verworren. Obwohl das Kulturgut allgegenwärtig ist, fehlen klare Untersuchungen. Ich habe versucht, einige Studien zusammenzutragen und habe mir die internen Zahlen einer großen Brauerei angesehen.

Wasser, Strom und CO2

Laut verschiedenen Quellen liegt der Wasserverbrauch von einem Liter Bier bei 300 Litern Wasser. Vor allem beim Anbau der Gerste, aber auch beim Brauereivorgang selbst oder beim Hopfenanbau wird viel Wasser genutzt.

Aktuellere Zahlen kommen von einem Artikel, der im Journal of Cleaner Production erschien. Hier wurde der Fokus auf den Verbrauch innerhalb der Brauerei gelegt. Laut dem Artikel werden innerhalb der Brauerei für einen Liter Bier 5 Liter Wasser benötigt, sowie eine Energieleistung von 1,5 MJ pro Liter Bier.

Viele Brauereien bringen mittlerweile auch eigene “Nachhaltigkeitsberichte” heraus, zum Beispiel Krombacher – ihr wisst schon, die mit dem Regenwald. Krombacher selbst spricht von 35,24 kwH Strom pro Hektoliter Bier.

Eine Flasche Bier mit 0,5l wäre also vergleichbar mit dem Energieaufwand, um 12 Tassen Kaffee zu kochen.

*Wenn man davon ausgeht, dass man mit einer kwH 70 Tassen Kaffee Kochen kann.

Auch zum eigenen CO2-Verbrauch nimmt Krombacher Bezug. Das Unternehmen spricht dabei von einem jährlichen CO2-Ausstoß von 51.020t.

Was etwas widersprüchlich ist: In der Literatur wird der CO2-Ausstoß von einem Liter Bier immer wieder mit ca. 300 Gramm CO2 pro Liter beziffert. Manchmal sogar bis zu 900 Gramm pro Liter. 

Ich habe das mal durchgerechnet. Laut Jahresbericht hat Krombacher im Jahr 2018 4520 Tausend Hektoliter Pils umgesetzt. Bei 300 Gramm CO2 pro Liter Pils würde der Ausstoß bereits 135.600 Tonnen CO2 betragen – etwa 2,6 mal so viel wie von ihnen angegeben. 

Woher stammt also die Zahl von Krombacher? Ich habe nachgefragt.

Krombacher schreibt mir, dass die Zahlen sich auf alle Produkte am Standort Krombacher beziehen (nicht nur Bier.) Weiterhin, so Krombacher, setze sich die Zahl aus vielen Komponenten auseinander, wie beispielsweise Strom-Mix, aber auch so etwas wie der Papierverbrauch. Auch zum Wasserverbrauch äußerte sich das Unternehmen. Die Angaben beziehen sich demnach nur auf den Brauprozess, nicht aber auf landwirtschaftliche Prozesse.

Die Zahlen werden, so Krombacher, werden jährlich von einem externen Audit bestätigt. Die Einordnung Krombachers hilft, um ein generelles Bild der Industrie zu erlangen, vor allem weil die Literaturlage eher mau ist. 

Flasche oder Dose, was ist besser?

Es gibt noch weitere Faktoren neben dem Anbau, die ins Gewicht fallen. Bei einer Untersuchung des Departments of Environmental Equality des US-Staates Oregon wurden 15 Studien ausgewertet, die sich mit verschiedenen Brauereien in Europa, Asien und Nordamerika beschäftigt haben.

Die Ergebnisse: Vor allem die Verpackung mache einen großen Anteil im Lebenszyklus eines Bieres aus und verursacht sogar knapp die Hälfte des ökologischen Fußabdrucks.

Natürlich sind die Zahlen nicht 1:1 auf deutsche Brauereien zu übertragen, die Ergebnisse zeigen aber dennoch, dass neben der Herstellung auch Faktoren wie Verpackung oder die Kühlung einen hohen Stellenwert einnehmen.

Welche Verpackung ist am “nachhaltigsten”?

Auch dazu gibt es Informationen in der Studienzusammenfassung. Die Studie zeigt, dass das Pfandsystem für wiederverwendbare Glasflaschen oder große Fässer den geringsten CO2-Fußabdruck haben.

Würde man die Flaschen durch Single-Use-Flaschen ersetzen, würde die Flasche nicht 13%, sondern 65% des gesamten ökologischen Fußabdrucks (lca) ausmachen.

Gegenwind

Es gibt auch gegensätzliche Studien. Eine davon stammt vom IFEU-Institut.

Das Ergebnis: So eindeutig wie in der Untersuchung aus Oregon sei die Lage nicht. Vielmehr sah die Studie einige Gründe, die für die Pfanddose sprechen. Vor allem die kleinen 0,33l Flaschen würden demnach oft einzeln gekauft. Die Rückgabe dieser Einzelflaschen würde zu einer höheren mechanischen Belastung führen; sie hielten daher oft nicht so lange, wie gedacht oder gewünscht. Generell seien die Umlaufzahlen (also die Zahl, wie oft eine Flasche wiederverwendet wird), viel geringer, als von viele Brauereien angegeben. Und erst mit höheren Umlaufzahlen werde die Ökobilanz der Glasflaschen besser, als die der Dose. Da immer mehr Brauereien auf individuelle Flaschen setzten, werde auch die Pfandrückgabe komplizierter. Die Recyclingquote bei den Dosen sei hingegen sehr hoch.

Ein weiteres Argument für die Dose: Sie sei viel einfacher zu kühlen und zu transportieren, weil sie sich besser aufeinanderstapeln lasse, so das IFEU Institut. Gerade für nicht regionale Produkte sei daher die Dose die bessere Wahl. 

Laut der Studienlage ist also beim Bier der Faktor Regionalität sehr wichtig und sollte immer in die Kaufentscheidung einfließen. Die Flasche ist nur die bessere Wahl, wenn sie nicht von Bayern in den hohen Norden transportiert werden musste. 

Quellen:

Nachhaltigkeitsbericht Krombacher + Pressekontakt mit Krombacher

Department of Environmental Quality: Food Product Environmental Footprint Literature Summary: Beer

IFEU-Institut: Umweltargumente für die Getränkedose Auf Basis der Ökobilanziellen Untersuchung verschiedener Verpackungssysteme für Bier (2010)

Hauser, Shellhammer: An Overview of Sustainability Challenges in Beer Production, and the Carbon Footprint of Hops Production

Journal of Cleaner Production: The brewing industry and environmental challenges

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