Klima

Warum unser Ernährungssystem kaputt ist

By 11 November 2022 November 28th, 2022 No Comments
Illustration der Erde mit verschiedenen Lebensmitteln. Text: Warum unser Ernährungssystem kaputt ist.

Das globale Ernährungssystem trägt mit über 20 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr erheblich zur globalen Erderwärmung bei. Einige aktuelle Studien machen deutlich, wie kaputt das System wirklich ist. Ein Überblick. 

Illustration des globalen Ernährungssystems. Die Erde steht im Mittelpunkt, um sie herum befinden sich Pfeile sowie verschiedene pflanzliche und tierische Lebensmittel.

Mehr als 20 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente werden jedes Jahr durch weltweite Ernährungssysteme emittiert. Insgesamt macht der Sektor rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen aus.

Die FAO* schätzt, dass die Lebensmittelproduktion bis 2050 um weitere 15% steigen wird. Gleichzeitig waren im letzten Jahr mehr als 700 Millionen Menschen weltweit unterernährt oder lebten unter erschwerter Ernährungssicherheit.

*Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen

Welche Faktoren sind für die Klimabilanz entscheidend?

Knapp 70% der Emissionen sind in diesem Sektor auf Landnutzungsänderungen und landwirtschaftliche Aktivitäten zurückzuführen.

Ein Blick auf die insgesamt 21.4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente zeigt, die Tierproduktion ist einer der stärksten Faktoren. 69% der globalen CO2-Äquivalente in diesem Bereich stehen mit Wertschöpfungsketten tierischer Produkte im Zusammenhang.

Ein Absurdum, wie eine Studie, die 2018 im Science Magazin veröffentlicht wurde, deutlich macht. Nur rund 18% der Kalorien, die wir zu uns nehmen, stammen aus tierischen Produkten. Gleichzeitig entfallen 83% der landwirtschaftlich genutzten Flächen auf deren Produktion.

83% der landwirtschaftlich genutzten Flächen für tierische Produkte, die 18% der Kalorien decken und 69% der globalen CO2-Äquivalente verursachen. Illustration eines Stück Fleischs auf einem Teller, daneben die 3 Zahlen im Überblick.

75% der Ackerflächen könnten eingespart werden, wenn sich die Weltbevölkerung vegan ernähren würde – und trotzdem könnten alle Menschen satt werden.

Warum auch der Transport von Nahrungsmitteln eine Rolle spielt

Dass auch der Transport eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt, zeigt eine weitere Studie, die von der Universität von Sydney durchgeführt und im Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde. Sie zeigt auf, dass knapp ein Fünftel (19%) der Ernährungssektor-Emissionen auf den Transport zurückzuführen sind. Insgesamt sind das 6% der weltweiten Emissionen.

„Die Emissionen des Lebensmitteltransports machen fast die Hälfte der direkten Emissionen von Straßenfahrzeugen aus“, wird die Studienleiterin Dr. Mengyu Li zitiert. Und gerade wohlhabende Länder haben hier den größten Anteil. Die USA, Deutschland, Frankreich und Japan machen zwar nur 12.5 Prozent der Weltbevölkerung aus, sind aber für fast die Hälfte (46%) der Emissionen verantwortlich, die mit dem Transport von Lebensmitteln zusammenhängen.

Was können wir aus den Erkenntnissen zu unserem globalen Ernährungssystem mitnehmen?

  1. Ohne eine Umstellung unseres Ernährungssystems und den Fokus auf (mehr) pflanzliche Lebensmittel werden wir keine Klimaziele erreichen können. Ohne Anpassungen in diesem Sektor sind 2 Grad Erderwärmung wahrscheinlich, selbst wenn wir gleichzeitig aus fossilen Energien aussteigen würden.
  2. Auch Regionalität und Saisonalität sind aufgrund der Transportemissionen ein wichtiger Faktor. Wenn sich die Weltbevölkerung nur von regionalen Lebensmitteln ernähren würde, könnten insgesamt 380.000.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, heißt es in der Studie der Universität Sydney. Vergleichbar ist das mit den Emissionen, die anfallen würden, um eine Tonne Kieselsteine zur Sonne und zurück zu fahren – und das 6000 mal.

So einfach ist das natürlich nicht..

Klar, eine Welt, die von heute auf morgen vegan wird und Transportwege minimiert ist absolut utopisch (das ordnen die Studienautor*innen übrigens auch selber ein). Trotzdem gibt es viele Punkte, an denen man ansetzen kann.

Im Hinblick auf den Transport könnten das zum Beispiel Investitionen in saubere Energiequellen für Fahrzeuge sein und politische Einflussnahme, um nachhaltige und lokale Lebensmittelversorgung zu fördern.

Und unser Ernährungssystem?

Dazu kommen wir zurück zur anfangs zitierten Studie. Hier wird nämlich erstmals eine Roadmap erstellt, wie wir bis 2050 ein “net-zero food system” erreichen könnten. Insgesamt werden 60 Szenarien durchgespielt, wie Emissionen in diesem Sektor gesenkt werden könnten. Und – oh Wunder – eine einheitliche Universallösung für die vielfältigen Probleme gibt es auch hier nicht.

Trotzdem zeigt die Studie, dass mit effizienten Klimaschutzpraktiken und der Anwendung von nachhaltigen Technologien der Sektor von geschätzten 29.6 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2050 im besten Szenario auf 8.2 Milliarden Tonnen gedrückt werden könnte.

Illustration eines Arms mit Karotten in der Hand. Daneben eine lächelnde Erde. Ernährung und der eigene ökologische Fußabdruck.

Und vielleicht der motivierende Fakt zum Schluss: Gerade im Bereich Ernährung können wir als Konsument*innen viel bewegen. Ernährung ist und bleibt der größte Hebel, um unseren eigenen ökologischen Fußabdruck zu schmälern und gleichzeitig ein System voranzutreiben, dass die Roadmap bis 2050 nicht nur eine Utopie bleiben lässt.

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Science: Global food system emissions could preclude achieving the 1.5° and 2°C climate change targets (2020)

University of Sydney: Fifth of global food-related emissions due to transport (2022)

Science: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers (2018)

Scientific Reports: Roadmap for achieving net-zero emissions in global food systems by 2050 (2022)

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