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Fairer Handel: Warum die Klimakrise auch eine soziale Frage ist.

Noch immer werden, zum Beispiel in Zusammenhang mit Siegeln, ökologische und soziale Aspekte häufig voneinander getrennt. Doch Klimaschutz funktioniert nicht ohne die soziale Frage. In diesem Beitrag geht es darum, warum das so ist – und warum ein transparentes Lieferkettengesetz ein guter Anfang wäre.

Im vorigen Beitrag haben wir einige Probleme des globalen Handels auf sozialer und ökologischer Ebene thematisiert. Um uns nun als Verbraucher*innen vor Produkten zu schützen, an denen (im übertragenen Sinne) Blut und/ oder Pestizide kleben, steht uns im Supermarkt eine Flut an verschiedenen Siegeln zur Auswahl, die mehr oder minder aussagekräftig sind. Natürlich können wir auch gleich in den Bio- oder den Weltladen gehen – wenn wir es uns denn leisten können. 

Genau in diesen wunden Punkt sticht die Autorin Kathrin Hartmann mit ihrem neuen Buch “Grüner wirds nicht”. Sie kritisiert darin zum einen die Tatsache, dass Bio-Produkte zu einem Lebensstandard für Privilegierte geworden sind. In einem Interview mit dem Momentum-Institut sagte sie: “Hier darf der Gegensatz nicht der Bioladen sein, den wir uns leisten können müssen und der Aldi, bei dem viele gezwungen sind, einzukaufen, weil sie es sich sonst nicht leisten können. Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine Landwirtschaft haben, die für alle gute, gesunde, leistbare Produkte herstellt. [..]”

Das Ökologische und das Soziale gehen Hand in Hand

Passiere dies nicht, würden Menschen für ihr Kaufverhalten in “gut” und “böse” eingeteilt. Paradox sei hierbei jedoch beispielsweise, dass die Besserverdienenden, die sich “grüne Produkte” leisten könnten und sich besorgt um das Klima zeigten, im Schnitt dennoch den weitaus größeren ökologischen Fußabdruck hätten als geringer Verdienende. Das Umweltbundesamt spricht in diesem Kontext von “Klimabesorgten Klimasündern”.

Hartmanns Fazit: „Es ist für die gesamte Diskussion problematisch, wenn versucht wird, das Ökologische und Soziale zu trennen. Es war immer so, dass es NGOs gibt, die sich ausschließlich auf Umwelt und Naturschutz fokussieren und die soziale Frage außer Acht lassen. Unternehmensfreundliche NGOs wie der WWF sind stark in Kritik geraten, zugunsten des Naturschutzes die Rechte von Indigenen zu verletzen. So etwas führt dann oft dazu, dass Menschen sich denken, dass Umweltschutz etwas für Wohlhabende ist. Das ist natürlich falsch, denn ärmere Menschen sind von Umweltverschmutzung sehr viel stärker betroffen. [..]“

Die Ökobewegung habe den Umweltschutz lange von der sozialen Frage getrennt betrachtet. Denn Umweltschutz könne – inklusive vieler „grüner“ Wohlfühlprodukte – gut in den Kapitalismus integriert werden, wenn die Verteilungsfrage davon getrennt betrachtet werde.

Was kann jeder von uns tun?

Doch zurück zum Supermarktregal: Welchen Einfluss haben wir als Verbraucher*innen wirklich, wenn wir unseren Wocheneinkauf tätigen? Als Einzelperson derzeit relativ wenig. Eine Erhebung der Deutschen Umweltbundesagentur zeigte, dass uns die gegenwärtigen Rahmenbedingungen der Wirtschaft, Politik und Technologie uns persönlich nicht viel mehr erlauben, als unseren Ausstoß auf etwa 5 Tonnen CO2 im Jahr zu beschränken. Das ist zwar besser als die üblichen 11 (und sollte daher unbedingt angestrebt werden!), von Klimaneutralität allerdings weit entfernt.

Lösungsansätze auf politischer Ebene

Das Lieferkettengesetz ist ein Versuch, genau diese gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verändern. Das Gesetz soll Unternehmen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten auferlegen. Das bedeutet: Unternehmen, die Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen oder in Kauf nehmen, müssen dafür haften – und wer zu Schaden kommt, kann ein Unternehmen dafür zur Rechenschaft ziehen.

Das Gesetz soll für in Deutschland ansässige Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gelten und den inhaltlichen Fokus auf „relevante Risikofelder“ wie Zwangsarbeit, Kinderarbeit oder Diskriminierung legen. Die Maßgaben sollen sich an internationalen Vorgaben orientieren – den bereits erwähnten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie den OECD-Leitsätzen zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für multinationale Unternehmen.

Es bleibt abzuwarten, ob es das Gesetz es noch wie geplant in dieser Legislaturperiode in den Bundestag schafft. Wirtschaftsminister Altmaier versucht noch, das Gesetz auszubremsen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wirft Wirtschaftsverbänden und anderen Gegnern des Regelwerks dagegen Angstmacherei vor. Für Mittelständler und Handwerker sei jetzt noch eine „Mittelstandskomponente“ hinzugekommen mit dem Ziel, ihnen die Sorgen zu nehmen, die geplanten Sorgfaltspflichten nicht erfüllen könnten. Er betonte: „Wer jetzt noch sagt, es geht nicht, der will nicht.“ 

Du bist dran…

Ob zu den “Klimabesorgten Klimasündern”, der Untrennbarkeit von Ökologischem und Sozialem oder dem Lieferkettengesetz: Lass uns gerne deine Meinung, Ergänzungen und Feedback da!




QUELLEN:
Momentum-Institut: Was man als Einzelperson (wirklich) für das Klima tun kann
Momentum-Institut: Warum wir das Klima nicht ohne soziale Gerechtigkeit retten können – in 5 Punkten
Momentum-Institut: Kathrin Hartmann: “Der Kapitalismus hat auf die Coronakrise und die Klimakrise keine Antwort”
Oxfam Deutschland: Lieferkettengesetz: Für Menschenrechte in der Wirtschaft

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