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Globaler Handel: Wie wir die Spielregeln verändern können

Kennst du das Gefühl, wenn du vor dem Supermarktregal stehst und dich vollkommen überfordert und machtlos fühlst? Es herrscht so wenig Klarheit über die Geschichte der Produkte, so wenig Transparenz auf den Verpackungen, und es stecken so viele Täuschungen hinter mancher Werbeaussage. Und selbst wenn du mit deinem Einkauf alles “richtig” machst, dann hat das doch für das große Ganze sowieso keine Auswirkungen. Oder?

In der letzten Woche haben wir uns mit dem Thema globaler Handel beschäftigt. Wir haben darüber gesprochen, was schief läuft in der Unternehmenspolitik vieler Unternehmen, was die Problematik bei der Trennung von sozialen und ökologischen Aspekten von Produkten ist, und schließlich, was die Politik (vielleicht) gegen die globalen Ungerechtigkeiten tun kann.

Nun wollen wir die Thematik noch von einer weiteren Seite aufrollen: Was können wir als Verbraucher*innen und mündige Bürger*innen tun, um Ausbeutung und Umweltverschmutzung im großen Stil zu unterbinden? Wie können wir selbst die Spielregeln verändern, nach denen momentan gehandelt wird? Denn wenn wir uns strategisch zusammenschließen, können wir eine Menge dafür tun, um die Spielregeln des globalen Handels mit zu verändern. Einige Möglichkeiten, um selbst aktiv zu werden, haben wir hier herausgearbeitet.

Triff eine bewusste Kaufentscheidung und rede darüber

Im Endeffekt beginnt alles eben doch bei uns selbst. Solltest du zu den Menschen gehören, die sich mit dem Thema bereits auseinandersetzen und einige Euro mehr für Fairtrade und ökologische Produkte ausgeben können – dann triff deine Kaufentscheidung dementsprechend… und sprich darüber! Es soll dabei nicht darum gehen, dich vor anderen Menschen zu profilieren und dich selbst als perfekt darzustellen. Doch viele Menschen wissen ganz einfach nicht, welche Siegel hilfreich sind, welche andere dagegen gezielt Verbraucher*innen täuschen oder was sicher hinter manch anderen Produkten ohne Siegel verbirgt. 

Nimm dir gedanklich die Kunden-Krone ab

Seit der Unternehmer Harry Gordon Selfridge 1909 den Leitsatz “Der Kunde ist König” prägte, findet er in den meisten Marketingstrategien Verwendung. Dadurch hat er auch uns als Verbraucher*innen geprägt. Doch vielleicht ist es Zeit, sich diese Krone freiwillig selbst abzusetzen und sich bei seinen Kaufentscheidungen nicht mehr von der Frage “Habe ich darauf Lust?” leiten zu lassen, sondern vielmehr von: “Brauche ich das wirklich?” 

Brauche ich im Supermarkt immer eine riesige Auswahl? Kann ich im Winter wirklich nicht auf die exotischen Früchte verzichten? Wie schlimm wäre es, wenn etwas einmal nicht mehr vorhanden ist, das auf meiner Einkaufsliste steht? 

Nutze Soziale Medien für deine Anliegen

Soziale Medien können dein Sprachrohr für Kritik sein und dabei helfen, öffentlich Druck auszuüben – selbstverständlich mit verifizierten Informationen. Negativnachrichten über Unternehmen können sich binnen Minuten verbreiten. Wo traditionell die Unternehmenskommunikation mehr oder weniger einseitig ablief, zwingt die wachsende Kund*innenmacht Unternehmen heute, Auskunft auf bestimmte Fragen zu geben. 

Das wiederum kann Unternehmen enttarnen, wie z. B. der Fall von Grünländer zeigt. Foodwatch hatte das Unternehmen zuvor über die Nominierung für einen Negativpreis für Verbrauchertäuschung unterrichtet. Der Grund: Auf der Käseverpackung befinden sich frei auf einer Wiese laufende Kühe, obwohl die Grünländer-Kühe alle im Stall gehalten werden.

Das Unternehmen reagierte darauf u.a. mit dieser (traurig-) kuriosen Stellungnahme:  “Unter Freilauf verstehen wir bei Grünländer, dass sich unsere Kühe jederzeit frei im Stall bewegen und mit ihren Artgenossen in sozialen Kontakt treten können.”

Unterschreibe Online-Petitionen

Insbesondere wenn es um politische Themen geht, kannst du als Bürger*in deine Stimme nutzen, um Online- (und natürlich auch Offline-) Petitionen zu unterzeichnen. Du allein magst mit deiner Stimme nicht viel ausrichten können, im Kollektiv hingegen haben wir durchaus eine Chance, politisch gehört zu werden. Das Beste daran: Jede/r, die einen Internetanschluss besitzt, kann sich kostenlos und mit minimalem Zeitaufwand daran beteiligen! Ein aktuelles Beispiel für eine im Kontext “globaler Handel” relevante Petition ist die für das Lieferkettengesetz (du findest sie auf lieferkettengesetz.de).

Geh selbst auf die Straße

Die von Fridays for Future organisierten Klimademonstrationen sind das beste Beispiel dafür: Regelmäßig auf die Straße zu gehen und auf Missstände aufmerksam zu machen, ist ein wirksames Instrument, um die Aufmerksamkeit von Medien und Politik zu erregen. Im Kontext des globalen Handels ruft beispielsweise die Initiative Lieferkettengesetz am sogenannten “Black Friday”, dem Schnäppchentag des Jahres, zu bundesweiten, dezentralen Aktionen auf. 

Vereinsarbeit und politisches Engagement

Die aufwendigste, aber vielleicht auch wirkungsvollste Maßnahme, die dir als Verbraucher*in zur Verfügung steht, ist es, dich selbst in einer Initiative / einem Verein oder politisch zu engagieren. Denn hier bist du selbst ganz nah am Geschehen, du verstehst gewisse (politische) Mechanismen besser und verfügst ggf. über ein besseres Netzwerk, um Informationen und Forderungen zu verbreiten. 

Der Schweizer Verein Alpen-Initiative hat kürzlich einen Negativpreis an eine Schweizer Handelskette vergeben und damit eine Menge Aufmerksamkeit gewonnen. Die Handelskette hatte ein Tafelwasser im Angebot, das aus grönländischem Gletschereis entstammt, im Anschluss in Kanada produziert und letztlich in der Schweiz verkauft wird – jede Flasche verursachte damit 794 Gramm CO₂-Ausstoß. Der öffentliche Druck hat nun dazu geführt, dass das Produkt aus dem Sortiment genommen wird. 


QUELLEN: 
Der Shitstorm: Die neue Macht der Konsumenten durch Social Media. Die Auswirkungen auf die Kommunikationsstrategien von Unternehmen.
Foodwatch: Hochland-Statement (pdf Dokument)
Lieferkettengesetz.de: Aufruf zu bundesweiten Aktionstagen am 29./ 30. November 2019
Petition zum Lieferkettengesetz: Initiative Lieferkettengesetz. Schluss mit der Blockade von Menschenrechten und Umweltschutz, Herr Altmaier!

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