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Greenwashing: Grüne Lügen und schmutzige Geschäfte

Nachhaltigkeit ist ein Trend, auf den auch längst große Unternehmen aufmerksam geworden sind. Die Werbelandschaft ist voll mit glücklichen Kühen und weltrettenden Produkten. Oft steckt dahinter eine Werbestrategie, die mitunter Ausbeutung und Umweltzerstörung verschleiert. Wie das geht, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Grün, bio, nachhaltig, Co2-neutral, gesund, recyclebar und ökologisch absolut vertretbar: Wenn es nach Versprechungen auf Lebensmittelverpackungen geht, kann man mit nur einem Einkauf den Klimawandel aufhalten. Hinter vielen Produkten befindet sich allerdings nur eines: viel heiße Luft.

Was ist Greenwashing?

Grob gesagt: Wenn Unternehmen auf auf grün tun, es aber nicht eigentlich nicht sind. Das Image eines Unternehmens ist in Zeiten des Internets wichtiger denn je. Seit die Aspekte Umweltverträglichkeit, Gesundheit und die CO2-Bilanz in die Kaufentscheidung vieler Verbraucher*innen einfließen, setzen auch Unternehmen auf ein grüneres Erscheinungsbild. Nur manchmal lässt sich diese öffentliche Fassade nicht mit den Produkten vereinbaren. In der Folge wird mithilfe von PR-Strategien, Desinformation und manchmal auch schlichtweg Lügen ein Bild geschaffen, das die Produkte und das Unternehmen an sich eigentlich nicht halten können oder vom eigentlichen Kerngeschäft des Unternehmens ablenken sollen.

McDonalds’ Traum vom grünen Image

Beispiele hierfür gibt es unzählige. Das Bemerkenswerte daran ist, dass wirklich jedes Unternehmen zu denken scheint, es könnte sich als grün positionieren – ganz unabhängig vom sonstigen Produktportfolio. Ein Beispiel hierfür? McDonalds.

Nicht mein erster Einfall, wenn ich an die Begriffe grün, Nachhaltigkeit und Umweltschutz denke. Trotzdem treibt das Unternehmen seit geraumer Zeit einen immensen Imagewechsel voran. Angefangen hat das mit einem neuen grünen Logo, gefolgt von vegetarischen und veganen Produkten. Außerdem bringt McDonalds regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht heraus, bei dem sie sich große Ziele auf die Fahne schreiben. Zum Beispiel wollen sie (irgendwann mal) auf Fleisch verzichten, bei dem die Tiere vorher mit Antibiotika gefüttert wurden. Wenn im McDonalds-Blog Gastautor*innen über das tolle nachhaltige Engagement der Fast-Food-Kette philosophieren, fühlt sich das mitunter etwas befremdlich an. Der Blog ist voll von Querverweisen auf eine Qualitätsplattform, dessen Prüfhöhe lediglich die gesetzlichen Mindesstandards sind.

Ein weiterer Teil des McDonalds Greenwashing Prozesses: ein eigenes Bonusprogramm, das „Bündnis für Exzellenz, Sicherheit und Transparenz“, das angeblich versucht, eine Art Qualitätssicherung für die Landwirtschaft zu schaffen. Hierbei wird eine gängige Praxis von Unternehmen deutlich, die gerne mehr Geld hätten, aber ungerne mehr Aufwand bezüglich Umweltschutz auf sich nehmen wollen: Mit eigenen Siegeln, Initiativen und Bündnissen kann man sich quasi alles bescheinigen lassen und alles Mögliche fordern. Ein weiteres bekanntes Beispiel hierfür war etwa das “Wel Fur Tierschutz Zertifikat”, das sich die Pelzindustrie kurzerhand selbst ausgestellt hat.

Wenn Nestlé sich selbt als eines der nachhaltigsten Unternehmen der Welt bezeichnet, Unilever von nachhaltigem Palmöl schwärmt oder RWE sich als Umweltretter durch Erneuerbare Energien präsentiert – die Liste an Unternehmen, die Greenwashing betreiben, ist endlos. 

Warum funktionieren Greenwashing-Taktiken so gut?

Vor allem, weil es nur sehr schwer nachzuprüfen ist. Am Beispiel McDonalds merkt man, dass zwar versucht wird, sich als transparentes Unternehmen zu präsentieren, die Blog-Artikel allerdings nur voll von Querverweisen oder sehr allgemeinen Aussagen sind, wie man gerne wäre, aber nicht, was man dafür wirklich tut.

Es gibt wenige Regelungen für eigene aufgedruckte Siegel oder für Begriffe wie grün, “von hier” oder nachhaltig.

Ein weiteres Problem ist, dass die Grenzen fließend sind. Glückliche Kühe auf einer Wiese haben mit der konventionellen Massentierhaltung nichts zu tun, hier ist beschönigendes Greenwashing einfach zu erkennen.
Was ist aber, wenn ein Unternehmen sagt: “Wir beziehen unseren Strom bisher nur aus fossilen Brennstoffen, wollen das aber bis nächstes Jahr auf Ökostrom umstellen”? Ist das dann schon Greenwashing oder wirklich ein Wille zur Besserung?

Die Problematik

Wenn Indigene vertrieben und Wälder von Bränden zerstört werden und gleichzeitig von nachhaltigem Palmöl gesprochen wird, dann ist das sehr gefährlich.

Grüne Lügen sollen ein reines Gewissen schaffen. Dabei springen die Unternehmen nur auf einen Trend auf, um das eigene Image zu polieren und weiteren Umsatz zu garantieren. Profitinteresse steht bei großen Unternehmen immer im Vordergrund – und dieses Interesse steht vor der Umwelt und auch oft vor dem Leben vieler Arbeiter und Arbeiter*innen.

Diese dicht verworrenen Lobbyverbände, die unglaubliche Macht besitzen, sind daher ein großes Problem für die Umwelt.

Die Frage, die auch im Film “Die Grüne Lüge” von Werner Boote und Kathrin Hartmann behandelt wird, ist: Wieso sind die Bürger*innen in der Pflicht, diese Maschen zu durchschauen? Wieso sind “grüne Lügen” überhaupt notwendig? Greenwashing ist nämlich vor allem eines: Ein Machtinstrument von großen Unternehmen. 

Der Großteil der Produkte, die im Supermarkt stehen, sind mit Menschenrechtsverletzung und Umweltzerstörung verbunden. Doch wie sollen Verbraucher*innen vor dem Regal entsprechende Unterscheidungen treffen können?

Vielmehr sollte die Verantwortung bei den Regierungen liegen, um Maßnahmen zu treffen, die grüne Lügen überflüssig machen. Der Klimawandel ist eine Bedrohung. Ein Wirtschaftssystem, welches die Zerstörung der Umwelt begünstigt, hat auf Dauer keinen Bestand.

Unser Konsum ist egoistisch und ausbeuterisch. Kathrin Hartmann fasst es in die grüne Lüge so zusammen:  “Ist es Verzicht, wenn wir Dinge nicht mehr haben, auf die wir eigentlich kein Recht haben, weil sie entstanden sind, weil anderen Menschen dafür Lebensgrundlage, Land und Leben geraubt werden?”

Was kann man tun?

Hinterfragen, Hintergründe checken, uns abonnieren und diesen Beitrag teilen. Außerdem kann man sich über Siegel informieren. Beispielsweise bei Siegelklarheit.de oder über die Siegelcheck-App des Nabu, die man auch beim Einkaufen direkt benutzen kann. Irreführende Werbung kann man weiterhin bei der Verbraucherzentrale melden.

Ansonsten: Druck machen und hoffen, dass die Politik uns irgendwann die Aufgabe abnimmt, vor dem Supermarktregal zwischen Ausbeutung und Nichtausbeutung zu unterscheiden.




QUELLEN:
Film von Werner Boote und Kathrin Hartmann: Die grüne Lüge
Bayerischer Rundfunk: Unkraut-Magazin
McDonalds: Nachhaltigkeitsbericht & Nachhaltigkeitsmanagement, sowie Change M Kampagne (Fakten zum Tierwohl)
RWE: Jahresbericht 2011
Greenpeace: RWE – RICHTIG WENIG ERNEUERBARE ENERGIEN
Nabu: Der NABU-Siegel-Check. Erste App mit Fotoerkennung von Lebensmittellogos
Zeit: Julia Klöckner wird für Video mit Nestlé-Chef kritisiert
Nestlé: Die nachhaltigsten Unternehmen der Welt
Stern: Was steckt bei McDonald’s wirklich im Rindfleisch?
Best Beef Programm: http://www.best-programm.de/best-beef
QS Prüfsystem: https://www.q-s.de/qs-company/organisation-en.html
BR: Ein gar nicht so tiefer Einblick
APA-OTS: VIER PFOTEN und Fur Free Alliance warnen vor Greenwashing-Siegel der Pelzindustrie
Quarks: Darum ist Greenwashing ein Problem
APA Ots: VIER PFOTEN und Fur Free Alliance warnen vor Greenwashing-Siegel der Pelzindustrie
Wirtschaftslexikon Gabler: Greenwashing

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