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Klimakiller Streaming: Die CO2-Bilanz von Netflix und Co.

Kalt, Regen, Schietwetter. Die dunkle Jahreszeit ist auch Serienzeit. Dabei hat das Internet und vor allem Streaming eine große Auswirkung auf das Klima. Warum das so ist, habe ich euch zusammengefasst. /Robin

Die Nutzung digitaler Technologien hat sogar die Luftfahrtindustrie in Sachen CO2-Ausstoß überholt, heißt es in einer Studie der Non-Profit-Organisation The Shift Project. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der weltweite CO2-Verbrauch der jährlichen Internetnutzung und dem Flugverkehr ungefähr gleich hoch sei. Warum also wird so viel über klimaschädigende Flugreisen gesprochen, aber so wenig über den Einfluss von digitalem Datenverkehr?  “Wenn das Internet ein Land wäre, wäre es der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt“, sagt der Klima- und Energieexperte Tom Dowdall von Greenpeace International. Das Zitat stammt aus dem Jahr 2016, die Internetnutzung hat sich seitdem noch gesteigert. Bis zu 25% steige die Datennutzung jährlich, so das IT-Unternehmen Cisco.

Unser Surfverhalten hat eine extreme Auswirkung auf das Klima. Doch woran liegt das eigentlich? Um das Netz bereitzustellen, benötigt man eine vernetzte Infrastruktur aus Rechenzentren. Internetfähige Geräte an sich und jede Aktion, die wir im Internet durchführen, verlangen Strom. Dieser Strom wird vor allem mit fossilen Brennstoffen erzeugt, wodurch CO2 entsteht. Man muss sich also bewusst sein, dass jede Mail, jedes Katzenvideo und jeder Instagrampost CO2 freisetzt.

Am meisten belastend ist Bewegtbild. Online-Videos machen fast 60% des digitalen Datenverkehrs aus. Video on Demand, also Anbieter wie Netflix, machen 34% aus, pornografische Inhalte 27%, Plattformen wie Youtube 21% Youtube und andere 18%. Die Problematik der Videos ist, dass sie vollständig auf einem Server gespeichert sind und deshalb nicht vorher gedownloaded werden müssen. Dadurch beanspruchen sie große Datenmengen. Im Jahr 2018 lag der CO2-Verbrauch von Online-Videos bei 300 Millionen Tonnen. Ein großes Problem ist auch das sogenannte Autoplay, also Videos, die automatisch abspielen und schon meist vorher geladen werden. Zum Beispiel auch hier bei Instagram. Übrigens verbraucht die Internetnutzung mit dem Handy am meisten Strom, da hier oft eine sehr hohe Sendeleistung erforderlich ist. Aufgrund dieser Zahlen finden die Autor*innen der oben genannten Studie von The Shift Project das Verhalten der Politik für sehr bedenklich. Die habe nämlich weder das Thema als Problem erkannt noch es in irgendeiner anderen Form aufgegriffen.

Maxime Efoui-Hess, Mitverfasser der Studie von The Shift Project, appelliert daher für mehr digitale Bescheidenheit. “Der weltweite Datentransfer darf nicht so rasant weiterwachsen wie bisher”, so Efoui-Hess. Was jeder einzelne dazu beisteuern kann und ob die Digitalisierung auch einen positiven Beitrag zum Thema Klimaschutz beisteuern kann, erfahrt ihr in den nächsten Posts zu dem Thema.



QUELLEN:
WBGU: Unsere gemeinsame digitale Zukunft
Nature: Autonomous taxis could greatly reduce greenhouse-gas emissions of US light-duty vehicles
Umweltbundesamt: Surfen, Internetanbieter
heise.de: Missing Link: Klimawandel? – Technologie wird uns auch diesmal nicht retten
heise.de: Studie: Digitalisierung als Problemlöser des Klimawandels
heise.de: Wissenschaftler: Digitalisierung könnte Klimakrise weiter beschleunigen
dw: Wie nachhaltig ist die Digitalisierung?
Spiegel Online: “Utopie und Horror liegen dicht nebeneinander”
SWR: Die Ökobilanz eines Mausklicks
Handelsblatt: Die Digitalisierung droht den Klimawandel zu beschleunigen

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