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Run, Forest, Run! Der Regenwald ist in Gefahr.

#Prayforamazonas – Ein Hashtag, der letztes Jahr auf die erschreckenden Zustände des Amazonas-Regenwaldes aufmerksam machte. Und weil “beten” manchmal nicht reicht, haben wir uns angeschaut, wie die Entwicklung des Regenwaldes im Schatten der Pandemie voranschreitet und wie jede*r Einzelne dazu beitragen kann, um die Zerstörung und Ausbeutung einzudämmen.

Im letzten Jahr gingen Bilder des Amazonas um Welt. Der Regenwald, die “grüne Lunge” des Planeten, in Flammen. Angesteckt bei Brandrodungen, um mehr Platz zu schaffen. Der internationale Aufschrei war groß. Nicht so groß wie beim Brand von Notre-Dames, aber zumindest gingen die Aufnahmen der brennenden Wälder um die Erde.

Warum der Amazonas so wichtig ist

Nun spielt der Amazonas, der zu 60 Prozent in Brasilien liegt, für das Weltklima keine ganz unwichtige Rolle. Der Regenwald verarbeitet jährlich über zwei Milliarden Tonnen CO2 und erzeugt einen wichtigen Anteil des weltweit verfügbaren Sauerstoffs. 

Nirgendwo sonst auf der Erde wird so viel CO2 gebunden wie im Regenwald. Die Wechselwirkung aus CO2-Freisetzung bei der Rodung und die daraus resultierende verminderte Aufnahmeleistung von CO2 ist eine für die Welt sehr gefährliche. Viele Forscher*innen, unter anderem des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), warnen, dass das Zerstörung des Regenwaldes das Ökosystem schon bald zu einem kritischen Wendepunkt führen könnte.

Die Rodungen und die korrupten Zustände vor Ort sind zudem eine Gefahr für viele Tierarten und indigene Völker, die auf den Erhalt der Waldgebiete angewiesen sind. Das internationale Medienecho und die Kritik am brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro haben bis heute leider nicht die geringste Änderung herbeigeführt.

Dabei nimmt die Waldzerstörung unter Bolsonaro bereits seit Beginn seiner Amtszeit am 1. Januar 2019 stetig zu. 

Es hagelte Kritik, Bolsonaro entließ kurzerhand den Leiter des Instituts von dem die Zahlen der Zunahme der Entwaldung stammten, mit der Begründung, sie seien überhöht. Hoch waren sie, aber auch korrekt, wie sich später herausstellte. In seinem ersten Amtsjahr hat sich die Fläche, die abgeholzt wurde um 85 Prozent erhöht. Die ersten Prognosen für 2020 deuten darauf hin, dass die Zahlen weiter steigen.

Und Bolsonaro selbst? Der wirft mit Anschuldigungen um sich. Leonardo DiCaprio sei für die Brände verantwortlich. Und der WWF. An Zynismus ist das nicht mehr zu toppen.

Was kann jede*r tun?

Doch so machtlos man sich im Hinblick auf die Ignoranz gewisser internationaler Staatsoberhäupter auch manchmal fühlen mag: In diesem speziellen Fall kann jeder von uns einen kleinen Anteil beitragen, um die aktuelle Situation zu verbessern. 

70% der Rodungen sind nämlich auf den Agrarsektor zurückzuführen. Die Flächen werden vor allem für Palmöl und Sojabohnen genutzt. Letzteres wird vor allem für Futtermittel für Tiere in aus Massentierhaltung nach Europa importiert. Die Produktion von Fleisch, Eiern und Milchprodukten fördert daher indirekt auch die Abholzung des Regenwaldes.

Auch bei Fleisch, das direkt aus Südamerika stammt oder Möbeln aus Tropenholz sollte man genauer hinschauen. Durch einen geringeren Konsum oder den Verzicht dieser Produkte kann also auch Einfluss auf den Erhalt des Regenwaldes genommen werden. 

Billiges Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen ist somit in den allermeisten Fällen eine Entscheidung gegen den Amazonas-Regenwald. Beides lässt sich wohl nicht miteinander vereinbaren. Auch mit der Unterstützung von Umweltorganisationen oder Aufforstungsprojekte kann direkt vor Ort Einfluss genommen werden. Gerade diese haben unter der Bolsonaro-Regierung zurzeit einen sehr schweren Stand.

Fast schon absurd: Der von Bolsonaro genannte Grund für die Regenwald-Rodungen ist es, die brasilianische Wirtschaft fördern zu wollen. Doch auch dieser schadet die massive Abholzung des Regenwaldes auf indirektem Wege immens: Denn die Rodungen führen in ganz Brasilien auch zu weniger Niederschlag, was wiederum fatale Folgen für die Landwirtschaft mit sich bringt. Der Grund hierfür ist, dass der Regenwald nicht nur als CO2-Speicher, sondern auch als eine Art tropische Wasserpumpe fungiert. Mit den durch Verdunstung über dem Wald entstehenden Regenwolken werden bis zu 20 Milliarden Tonnen Wasser pro Tag über den gesamten südamerikanischen Kontinent verteilt. 

In ein paar Jahren hinterlassen die Brände hier nur noch eine Wüste, prognostiziert der Wissenschaftsjournalist Matthias Glaubrecht in einem Focus-Interview. Er spricht damit ein weiteres Problem an: Der gerodete Boden lasse sich nicht nachhaltig nutzen. Um die Agrarindustrie aufrechtzuerhalten, müssen daher immer neue Flächen erschlossen werden.

Es wäre natürlich wünschenswert, dass sich auch vor Ort einige Dinge ändern. Dafür benötigt es auch wissenschaftliche Studien und Fakten, kombiniert mit Druck und Bemühungen von außen. Anfang Februar 2020 unterzeichneten mehr als 1000 Wissenschaftler*innen einen offenen Brief, in dem sie davor warnten, dass “die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro die Sozial- und Umweltpolitik des Landes demontiert.” Solange die Nachfrage an Futtermitteln so hoch bleibt, wird der Bestand des Regenwaldes aber wohl weiter abnehmen und das Eintreten eines möglichen Kipp-Punktes wahrscheinlicher.




QUELLEN:
The Food and Agriculture Organization (FAO): Global Forest Resources Assessment 2020 (FRA 2020). 
Spektrum: TIPPING POINT: Wann kippt der Amazonas-Regenwald?
Nat Ecol Evol.: Help Restore Brazil’s Governance of Globally Important Ecosystem Services
Sci Adv.: Amazon Tipping Point: Last Chance for Action
National Geographic: Der Amazonas produziert nicht 20% unseres Sauerstoffs
New York Times: The Rainforest is completely lawless: The rainforest after Bolsonaro´s first year.
Zeit Online: Brasilien. Abholzung des Amazonas-Regenwalds stark ausgeweitet
Tagesschau: Brasilien unter Bolsonaro | Amazonasabholzung steigt um 85 Prozent | Wegen Waldbränden in Brasilien
Bolsonaro attackiert DiCaprio
CO2-Online: Ursachen des Klimawandels
Quarks: So legt die massive Abholzung Brasilien trocken
Focus: Durch diese Brände werden Arten aussterben: Das sagen Biologen zur Flammenhölle

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