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Wie umweltschädlich ist der Online-Handel wirklich?

Zu Weihnachten noch schnell ein paar Geschenke bestellen? In der Corona-Zeit ist diese „Versuchung“ für viele fast zu einer Notwendigkeit geworden. Eine bereits im August durchgeführte Konsument*innenbefragung der IHK Köln zeigte, dass vier von zehn Konsumenten*innen, teilweise aus der Not heraus, für ihre Weihnachtseinkäufe von Geschenken und Co. zum Onlinekanal wechseln würden. Das dürften mit der aktuellen Situation weitaus mehr sein.

Der Online-Handel hat in Klimaschutz-Kreisen einen schlechten Ruf. Eine neue Studie des Umweltbundesamtes zeigt allerdings, dass nicht das „Wie“ entscheidend ist, sondern das „Was“ – und dass alles davon abhängt, mit welchem Verkehrsmittel man selbst Geschenke einkaufen geht.  

An welchen Stationen im Lebenszyklus eines Produkts entstehen Treibhausgas-Emissionen? Neben dem Handel und Vertrieb sind da die Herstellung (inkl. Verpackung), in manchen Fällen die Nutzung und schließlich die Entsorgung des Produkts. Auch die Nutzungsdauer spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle, wenn man davon ausgeht, dass ein neues Produkt gekauft wird, sobald das alte nicht mehr funktioniert. 

Die Frage, die sich bei einem Vergleich zwischen Online und Offline-Handel stellt, ist nun vor allem folgende: Wie sehr fällt der Transportweg ins Gewicht, wenn man sich die gesamte Ökobilanz des Produkts anschaut?

Das Umweltbundesamt kam nun zu dem Ergebnis: Nicht viel. „Ob wir online oder im Geschäft einkaufen ist nicht so entscheidend für unsere Klimabilanz. Die größte Stellschraube für den ökologischen Einkauf sind langlebige Produkte, die umweltfreundlich hergestellt sind“, so der UBA-Präsident Dirk Messner.

Bis zu drei Viertel der Treibhausgas-Emissionen entstehen laut der Studie schon bei der Herstellung von Produkten. Die logische Konsequenz: Um die Klimabilanz des eigenen Einkaufs möglichst gering zu halten, sollte vor allem auf die Qualität, auch auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit geachtet werden. 

Trotz allem verursacht der Handel und Vertrieb eines Produkts natürlich CO2, was im Rahmen der eigenen Möglichkeiten minimiert werden sollte. Doch auch hier kam die Studie zu einem für die ein oder andere vielleicht überraschenden Ergebnis: Der Einkaufsbummel durch die Stadt sei meistens nur umweltfreundlicher als die Online-Bestellung, wenn man nicht mit dem Auto in die Stadt gefahren ist. 

Eine Einkaufsfahrt von 5 km im eigenen PKW zum Beispiel erzeugt laut Umweltbundesamt zwischen 600 und 1.100g CO2. Für eine Lieferung per Onlinedienst fallen im Schnitt zwischen 200 und 400 g CO2 an. Die im Vergleich zur Fahrt im eigenen Auto geringeren Emissionen liegen u.a. an der besseren Fahrzeugauslastung, der effizienten Gestaltung der Lieferrouten und dem zunehmenden Einsatz von Elektrofahrzeugen. 

Die wichtigsten Klimaschutz-Stellschrauben im Online- vs. stationärem Handel

Quelle: Umweltbundesamt


Wer sich dafür entscheidet, Geschenke online zu bestellen, kann die Treibhausgas-Emissionen des eigenen Einkaufs also noch immer vergleichsweise geringhalten, wenn er oder sie auf eine gute Qualität des Produkts, eine umweltfreundlichere Herstellung und nach Möglichkeit auch auf die Verpackung des Produkts achtet. 

Das Umweltbundesamt empfiehlt hier die explizite Anfrage, das Produkt in der Originalverpackung, ohne extra Versandverpackung zugesendet zu bekommen. Außerdem solle online auf Siegel wie das EU-Ecolabel oder den „Blauen Engel“ geachtet werden.

Die Schwierigkeit hierbei ist online jedoch oft, diese Eigenschaften problemlos zu erkennen. Eine weitere UBA-Studie („Förderung des nachhaltigen Konsums durch digitale Produktinformationen“) zeigt, dass Umweltsiegel im Online-Handel bisher nur unzureichend abgebildet werden. 

Auch Informationen zu Reparierbarkeit und Verfügbarkeit von Updates seien meistens nicht vorhanden. Die Empfehlung des Umweltbundesamtes: Regelungen hinsichtlich einer klaren Aussagepflicht zur Herstellergarantie sowie Kenngrößen zur durchschnittlichen Lebensdauer der Produkte einführen

Fazit?

Natürlich gibt es viele andere legitime Gründe, Online-Bestellungen – insbesondere bei Amazon und Co. – zu vermeiden und stattdessen den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. 

Dass der Online-Einkauf aber zumindest umwelttechnisch keinen großen Unterschied macht und für eine Online Lieferung sogar weniger CO2 ausgestoßen wird als wenn man für ein einzelnes Geschenk 5 km mit dem Auto zum Laden fährt, hat uns dennoch überrascht. 

Wie siehst du das? Hast du deine Weihnachtsgeschenke dieses Jahr online bestellt? 

QUELLEN:
Umweltbundesamt: Klimabilanz von Online- und Ladenkauf: das Produkt entscheidet
Umweltbundesamt: Die Ökologisierung des Onlinehandels. Neue Herausforderungen für die umweltpolitische Förderung eines nachhaltigen Konsums
Umweltbundesamt: Förderung des nachhaltigen Konsums durch digitale Produktinformationen: Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen
IHK Köln: Neuer Corona Consumer Check erfragt die Stimmung der Deutschen zur Weihnachtssaison unter Corona-Auflagen.

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