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“Aber die Anderen”: Was wir von Schweden lernen können.

In Zeiten der Corona-Pandemie hat Schweden durch seine Laissez-faire Politik und der darauffolgend hohen Anzahl an Todesopfern in Altersheimen keine besonders guten Schlagzeilen gemacht. In unserem Ländercheck “Aber die Anderen” kommt das skandinavische Land hingegen gut weg: Denn Schweden ist weltweit ein absoluter Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimapolitik, erneuerbare Energien sowie Naturschutz, Grünanlagen und Urban Gardening. Was genau Schweden diesbezüglich tut, habe ich in diesem Post für euch zusammengefasst.

In Deutschland läuft momentan so einiges schief, was umweltpolitische Maßnahmen und das voraussichtliche (Nicht-)Erreichen des Pariser Abkommens angeht. Gegenargumente unserer Wirtschaft und Politik bestehen oftmals aus Verweisen auf andere Länder, in denen alles noch viel schlimmer läuft. Doch ein Blick über den Tellerrand kann definitiv auch zu positiver Inspiration verhelfen. Für unseren Ländercheck “Aber die Anderen” haben wir uns deshalb dieses Mal Schweden ausgesucht – den absoluten Vorreiter, was Klimapolitik, die Nutzung Erneuerbarer Energien und CO2-Emissionen angeht. 

Welche Maßnahmen und Eigenheiten machen das Land in dieser Hinsicht so besonders? 

Starker klimapolitischer Rahmen

Schweden verfolgt eine im weltweiten Vergleich konsequente und erfolgreiche Klimapolitik – laut dem Klimaschutz Index 2019 von Germanwatch liegt das Land an vierter Stelle hinter Portugal, Finnland und Marokko. Das liegt vor allem an drei Besonderheiten: 

  • Schweden hat ein Netto-Null-Emissionsziel für das Jahr 2045 (das zuvor für 2050 festgelegt wurde). 
  • Das Land hat die weltweit höchste CO2-Steuer. 
  • Letztlich verfolgt Schweden das Ziel, bis 2040 zu 100% erneuerbare Energien zu nutzen. 

Expert*innen warnen zwar davor, dass selbst diese ambitionierten Ziele nicht ausreichen, um das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Denn um als Land unter den geforderten 2°C zu liegen, müssten Schwedens Emissionen bis 2030 netto Null erreichen und eine Senkung der verbrauchsabhängigen Emissionen erfordern würden.

Doch da das Land ein starker Befürworter ehrgeiziger Klimamaßnahmen auf EU-Ebene und einer der stärksten Geldgeber für den Green Climate Fund ist, wird Schwedens internationale klimapolitische Leistung im Klimaschutz Index noch immer als sehr hoch bewertet.

Nutzung erneuerbarer Energien

Auch bei der Nutzung erneuerbarer Energien mischt Schweden weltweit ganz vorne mit. Schweden erzeugt, bemessen am Endverbrauch, einen Anteil erneuerbarer Energien von 54,5 Prozent. Damit ist es EU-weit das Land, in dem erneuerbare Energien den höchsten Anteil an der Energieversorgung ausmachen. Vor allem aufgrund des rapiden Ausbaus von Windenergie-Anlagen deutet vieles darauf hin, dass Schweden sein bis 2040 gestecktes Ziel erreichen und nur noch erneuerbare Energien nutzen wird.

CO2-Emissionen und Verkehr

Schon zu Beginn der 1990er Jahre führte Schweden als eines der ersten Länder weltweit Steuern auf die Emission von Treibhausgasen ein. Der CO2-Ausstoß liegt hier mit gut fünf Tonnen pro Jahr und Einwohner unterhalb des europäischen Durchschnitts von über acht Tonnen –  was allerdings auch mit der hohen Nutzung von erneuerbaren Energien zusammenhängt. 

Doch auch im Verkehr wird CO2 gespart: So nutzt mehr als ein Drittel der Schweden täglich öffentliche Verkehrsmittel, was dazu führt, dass die Straßen im internationalen Vergleich wenig befahren sind und selten Stau herrscht. Die Stadtbilder sind vielerorts geprägt von Bussen, deren Treibstoff aus Bioabfall hergestellt wird, oder von emissionsfreien Elektrobussen, die Energie aus Wind- oder Wasserkraft nutzen. Auch Radfahren ist sehr beliebt und wird mit gut ausgebauten Radnetzwegen gefördert. 

Naturschutz, Grünanlagen und Urban Gardening

Mehr als die Hälfte des Landes besteht aus Wäldern, 13 Prozent sind geschützte Nationalparks oder Naturreservate – 9 Prozent mehr als in Deutschland.

Auch in den Städten gibt es zahlreiche Parkanlagen und Grünflächen. Hier boomt der Trend Urban Gardening mit Gemüsebeeten und Beerensträuchern auf Balkonen oder Dachterrassen. Auch kleine städtische Anbauflächen sind sehr gefragt: Auf nur wenige Quadratmeter in Malmös Schlossgarten warten die Bewerber durchschnittlich zwei Jahre.

Das sogenannte schwedische Jedermannsrecht unterstützt die große Liebe zur Natur der schwedischen Gesellschaft: Demnach darf sich jeder Mensch frei in der Natur zu bewegen, auch auf privatem Grund. Das Recht beinhaltet – unter bestimmten Einschränkungen – zum Beispiel auch, Beeren und Pilze zu pflücken.  

Und nun? 

Schweden ist in vieler Hinsicht ein Vorbild, was den Umweltschutz angeht. Im Klimaschutz Index 2019, in welchem 56 Länder anhand der Kategorien “GHG Emissionen”, “Erneuerbare Energien”, “Energienutzung” und “Klimapolitik” bewertet wurden, steht das Land an erster Stelle. 

Was ich im Zuge meiner Recherche persönlich bemerkenswert fand, war zu erkennen, wie hierbei strikte politische Maßnahmen und eine hohe Bereitschaft der Gesellschaft für umweltfreundliches Verhalten ineinandergreifen. 

Ihr seid dran…

Wie könnten sich Teilaspekte der schwedischen Klimapolitik nun auf Deutschland übertragen lassen? Dazu würde mich eure Meinung interessieren! In welcher Hinsicht sollte (und muss) Deutschland dem Beispiel von Schweden folgen? Was wären die ersten wichtigen Schritte?



QUELLEN:
Germanwatch: Klimaschutzindex 2019
MDR: Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein: So grün ist Schweden 
Our world in data: Who emits more than their share of CO2 emissions?
Erneuerbare Energien: Dänemark und Schweden Vorreiter bei erneuerbaren Energien

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