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Der Feuerplanet

Heute ist der Tag der Tropenwälder. Seit fast 3 Jahrzehnten wird Mitte September auf die Zerstörung der “grünen Lunge” der Erde hingewiesen. Dabei sind längst nicht mehr nur die Tropen- und Regenwälder in Gefahr. Derzeit steht die Westküste der USA in Flammen. Und Präsident Donald Trump? Der macht interessante Schuldzuweisungen. Wir haben das Dilemma zusammengefasst.

“In Kalifornien geht seit einigen Tagen die Sonne nicht mehr auf”, schreibt die ZEIT. Als “dystopisch” bezeichnet Ines Pohl, Korrespondentin der Deutschen Welle, die derzeitige Situation an der Westküste der USA. Hier wüten seit Mitte August schwere Waldbrände, der Himmel wird von einem dunkelrotem Smog überdeckt.

Die Gouverneurin von Oregon Kate Brown wurde in einer Pressekonferenz deutlich: “Wir erleben die Vorboten der Zukunft. Wir bekommen die akuten Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Wir sehen seine verheerende Folgen in Oregon an der Westküste und in der ganzen Welt”, sagte sie. Der Gouverneur von Washington, Jay Inslee bezeichnete die Feuer als “Klimabrände.”

Brände haben oft keinen “natürlichen” Ursprung

Laut WWF haben lediglich vier Prozent aller Waldbrände keinen menschlichen Einfluss. Oft spielen (un)beabsichtigte Brandstiftung und Rodungen eine wichtige Rolle, um Flächen schnell nutzbar zu machen. 

In Kalifornien habe es zwar immer Wildfeuer gegeben, so Ines Pohl. Die Besonderheit in diesem Jahr: Viele waldbrandfördernde Faktoren, wie langanhaltende Hitze, Winde, viele “trockene Gewitter” mit unzähligen Blitzen, träfen zeitgleich ein – und das, obwohl die “Saison” erst begonnen habe. 

Dementsprechend drastisch sind die Waldverluste. Bis zum 10. September diesen Jahres sind laut Washington Post insgesamt 12.400 km² vernichtet worden. Einen Tag zuvor waren es knapp 10.000 km². Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht: Viel zu unkontrolliert breiten sich noch viele der Feuer aus, verbinden sich oder springen selbst zwischen mehrspurigen Straßen über.

Die Folgen sind vielfältig und bedenklich:

1. Für Klima und Natur. Der Flächenverlust kostet viele Tieren das Leben und zerstört Lebensräume. Weiterhin haben Bäume für das Klima eine wichtige Funktion, als Kohlendioxid-Speicher. Die Verbrennung setzt große Mengen an Co2 und Feinstaub frei. 

2. Neben der Natur leiden hunderttausende Menschen unter den Bränden. Allein in Oregon sind 500.000 aufgerufen ihre Häuser zu verlassen – auch Todesopfer sind bereits zu beklagen.

Politische Reaktionen

Und der Präsident des Landes? Nach wochenlangem Schweigen hat Donald Trump nun das Wort ergriffen und bedankte sich bei den zehntausenden Einsatzkräften, die versuchen das Feuer einzudämmen. Anders als die demokratische Gouverneurin von Oregon machte er nicht die Folgen des Klimawandels für das extreme Wetter verantwortlich. Seine Einstellung zu einem menschengemachten Klimawandel ist weitgehend bekannt. 

In seiner Rede schob er stattdessen dem “Wald-Management” die Schuld für das Feuer in dir Schuhe. Konkretisiert hat er die Aussage bisher nicht.

2020 scheint ein Jahr vieler trauriger Rekorde zu sein. Neben den Waldbränden in Kalifornien oder Australien erreichte auch die illegale Abholzung und Brandrodung des Amazonas in Brasilien Rekordzahlen. Waldbrände in Sibirien sorgten dieses Jahr für Schlagzeilen, da die Feuer ungewöhnlich weit im Osten und nördlich des Polarkreises lagen. Die Klimaveränderungen sind in der Arktis besonders schnell wahrzunehmen.

Auch in Deutschland wüten Brände

Auch die heimischen Wälder sind immer öfter von Waldbränden und Dürren betroffen. Deutschland hat im vergangenen Jahr den höchsten Flächenverlust seit 27 Jahren verzeichnet. Laut Prognosen des Umweltbundesamts wird das Waldbrandrisiko in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen. 

Diese Entwicklungen zeigen deutlich: Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern ist, wie es die Gouverneurin von Oregon passend beschrieb, “Vorboten der Zukunft”. Steigende Temperaturen und weniger Niederschläge werden auch in den nächsten Jahren Waldbrände weiter begünstigen. 

Zumindest an der Westküste der USA bringen die Wetteraussichten etwas Hoffnung. Hier soll es in den nächsten Tagen Niederschläge geben. Außerdem soll Trump noch in dieser Woche in die Krisenregion reisen, um sich ein Bild zu machen. Vielleicht erkennt er ja, dass der Klimawandel gar kein “Trick der Chinesen” ist, um die amerikanische Wirtschaft zu schädigen, sondern brutale Realität. Ansonsten können wir uns darauf einstellen, dass diese Bilder aus den USA bald zur Gewohnheit werden.




QUELLEN:
Twitter: @therealdonaldtrum
Deutsche Welle: Waldbrände in den USA: Über 500.000 Menschen auf der Flucht DW Nachrichten
Deutschlandfunk: „Das sind Klimabrände“ – Waldbrände entfachen politischen Streit
Tagesschau: 500.000 Menschen droht die Evakuierung
Spiegel: US-Präsident zweifelt an Klimabericht seiner eigenen Behörden / Rekordfläche Wald in Kalifornien verbrannt
ZEIT: Waldbrände Kalifornien: Entstehung und Bekämpfung / Kaliforniens Klimakatastrophe / In Flammen
WWF: Klimakiller Waldbrand – unser Klima wird brandstiftenden Wirtschaftsinteressen geopfert
Wiki Bildungsserver: Waldbrände in den hohen Breiten
Nabu: Gefahr Waldbrand: Ein Zeichen des Klimawandels?
Umweltbundesamt: Waldbrände
Geo: Waldbrände in Sibirien: Die Katastrophe, die kaum beachtet wird
Washington Post: Western wildfires break records as devastating toll on lives and homes begins to emerge

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