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Jem Bendell und sein Essay “Deep Adaptation”

Wie würdest du dich verhalten, wenn die Gesellschaft, wie du sie kennst, zusammenbricht? Wenn du und deine Familie kaum noch Essen habt, und dein Nachbar vorbeikommt und etwas abhaben möchte? Wenn das Trinkwasser knapp wird? Wie fühlst du dich, wenn dir jemand diese Fragen stellt?


Ich habe mich diese Woche mit der Arbeit von Jem Bendell befasst. Er ist Professor für Nachhaltigkeitsführung an der University of Cumbria in Großbritannien und Autor des Essays „Deep Adaptation“, also „Tiefgreifender Wandel“. Sein Paper hat nicht nur in Klimaschutzkreisen für Aufruhr gesorgt.

Als einer der ersten beschäftigt sich Bendell nicht mit einer Prognose und Maßnahmen zur Verhinderung einer Klimakatastrophe, sondern viel mehr mit dem nächsten Schritt: Wie werden wir als Gesellschaft auf eine globale Katastrophe und einen sozialen Zusammenbruch reagieren? Welche Werte werden wir beibehalten? Was ist uns wirklich wichtig? Aus was können wir verzichten?

Kritische Stimmen

Für seine Fragen und sein Framework, das beschreibt, wie so eine Anpassung an einen sozialen Zusammenbruch aussehen könnte, ist er auch viel in die Kritik geraten. Er schüre Angst mit Weltuntergangsszenarien, er wolle die Menschen grundlos in Panik versetzen.

Seine Ausführungen würden vom Schlimmsten ausgehen und somit vielleicht vielen Umweltschützer*innen den Mut und die Motivation rauben, überhaupt etwas zu tun. In der Tat wirken seine Ausführungen auf den ersten Blick bedrückend und hoffnungslos. Wer denkt schon gerne darüber nach, wie er sich im Kampf um die letzten Ressourcen anderen Menschen gegenüber verhalten würde?

Bendell will keine Panik verbreiten

In YouTube Videos und auf seinem Blog betont Bendell allerdings, dass er mit einem Modell keineswegs Panik verbreiten wolle. Er spricht sich ausführlich für sofortige drastische staatliche Maßnahmen aus, um noch Schlimmeres zu verhindern, die globale Umweltkatastrophe also abzuschwächen oder hinauszuzögern.

Er betont außerdem, dass Panik, Radikalismus oder Vorräte horten seiner Ansicht nach nicht die richtigen Reaktionen auf seine Ausführungen seien. Vielmehr gehe es ihm mit seinem Framework darum, Menschlichkeit, Liebe und Wertschätzung zu fördern – auch unter möglichen Extrembedingungen.

Es gehe ihm außerdem darum, dass der Mensch sich gerade im Auge seiner letzten Stunde mit den Fragen beschäftige: Was ist der Mensch? Wer bin ich? Wofür bin ich hier?

Sein Modell und seine Forderungen an den Staat, Wirtschaft und vor allem das Finanzsystem stellen wir in zwei weiteren Posts vor.

Ihr seid dran…

Uns interessiert hier aber vor allem: Was haltet ihr von seiner Perspektive? Was lösen Jem Bendells Worte in euch aus? Wie sinnvoll ist eine Vorbereitung auf den “worst case”? Wie dienlich kann es einer Gesellschaft sein, sich mit dem eigenen Zusammenbruch zu beschäftigen?

Wir sind sehr gespannt.




QUELLEN:
Jem Bendell: Deep Adaptation // Blog // YouTube Account

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