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Extinction Rebellion: Gibt es Kritik an der Bewegung?

Rassistisch, sexistisch und antidemokratisch? Extinction Rebellion muss sich teilweise mit harscher Kritik auseinandersetzen. Ich habe mich mit den größten Kritikpunkten der Protestbewegung beschäftigt.


Auf dem Blatt lesen sich die Forderungen von Extinction Rebellion gut. “Regierungen werden unsere Welt nicht retten. Wir müssen selbst handeln und die Verantwortung übernehmen”, heißt es auf der XR-Website. In einer Reportage  der ARD geht ein Teilnehmer noch weiter: “Wir brauchen eine neue Legitimation, und die Demokratie braucht einen neuen Zusatz”, so der Aktivist. Gemeint sind die Bürger*innenversammlungen.

Während der deutsche Ableger noch von einer “Restaurierung der Demokratie” spricht, geht der Mitbegründer von XR Großbritannien, Roger Hallam, in einem Spiegelinterview sogar noch weiter: “Umweltschutz ist größer als die Demokratie, oder wie auch immer sie das beschreiben, was derzeit noch davon übrig ist. Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant. Dann kann es nur noch direkte Aktionen geben, die das stoppen.”

Aufgrund solcher Aussagen wird der Bewegung immer wieder vorgeworfen, eine antidemokratische Haltung einzunehmen. Auch eine Aussage Hallams gegenüber der ZEIT, bei der Bewegung könnten auch Menschen mitmachen, “die ein bisschen sexistisch und rassistisch sind”, sorgte für Aufregung – auch in eigenen Kreisen.

Unter diesem Umstand ist es fraglich, ob das Prinzip Nr. 6 des Prinzipienkatalogs der Gruppe (“Alle sind willkommen – so wie sie sind”) auch wirklich Gültigkeit besitzt. Die Publizistin und Politikerin bei der Ökologischen Linken Jutta Ditfurth lässt kein gutes Haar an der Bewegung. Auf Twitter warnt sie, XR sei eine religiös-gewaltfreie esoterische Sekte, welche an die Apokalypse der baldigen “Auslöschung der Menschheit” glaubt. Außerdem wirft sie der Gruppe eine Hyperemotionalisierung vor. Sie grenzt die Bewegung klar von Fridays For Future ab und sieht eine Anschlussfähigkeit nach rechts. Weiterhin unterstellt sie XR, mit ihren plumpen Strategien den Verstand zu vernebeln und Ängste zu schüren.

Jutta Ditfurth bezieht sich dabei auf Reden von Mitgründer*innen und Vertreter*innen von XR, Bücher, Flugblätter und Berichte aus XR-Gruppen. Ihre Ansichten werden zumindest teilweise als überzogen betrachtet. So schreibt beispielsweise die Autorin Anke Richte in der taz: “XR bezieht sich auf Fakten, aber arbeitet mit Emotionen. Das ist nicht esoterisch oder verwerflich, sondern schlau und richtig.”

Intern sorgte auch eine hohe Spende für Diskussionen. 500.000 Euro wurden von einem Klimanotstandsfond zur Verfügung gestellt. Eine der Mitbegründerinnen des Fonds verwaltet allerdings ebenfalls die Aileen Getty Stiftung, die mit Geldern aus Ölgeschäften in Zusammenhang stehen soll. Ob das Geld angenommen werden kann, hatte bei deutschen Ortsgruppen intern für Unstimmigkeiten gesorgt. Am Ende wurde es ihnen freigestellt, das Geld anzunehmen oder abzulehnen.

Auch eine Online-Befragung hat für intensive Diskussionen geführt. In einem Online Fragebogen, bei dem man sich für die Aktion #berlinblockieren eintragen konnte, wurden sensible Daten erfragt. Unter anderem die genaue politische Zuordnung sowie Radikalitätsabstufungen, oder ob man bereit sei ins Gefängnis zu gehen. Nach harscher Kritik entfernte XR die Befragung und versicherte, die sensiblen Daten ebenfalls zu löschen.




QUELLEN:
Extinction Rebellion: Webseite
Jutta Ditfurth Thread auf Twitter vom 06.10.2019
Zeit: Interview “Er hat einen Plan” mit XR-Mitbegründer Roger Hallam
Spiegel Online: Interview mit XR-Mitbegründer Roger Hallam
Tagesschau: Faktenfinder “Warum der Protest ins Leere lief”
Rabiat-Reportage: Klima retten? Extinction Rebellion vs. “Klimasünder”
The Guardian: When I look at Extinction Rebellion, all I see is white faces. That has to change
Anke Richter in der taz: Extinction Rebellion ist Ecstacy
Malte Kreutzfeldt in der taz: Rebellen-Streit über Großspenden
Netzpolitik.org: Extinction Rebellion nimmt umstrittenen Fragebogen vom Netz

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