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Klimawandel? Hat es doch schon immer gegeben…

Es ist das wohl am häufigsten genutzte Argument von Klimawandelskeptiker*innen: “Den Klimawandel hat es doch schon immer gegeben.” Warum diese Aussage an sich zwar korrekt ist, aber – in den falschen Kontext gesetzt – zu gefährlichen Schlussfolgerungen führen kann, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Zumindest gibt es bei dieser Diskussion einen gemeinsamen Konsens, nämlich, dass es in der Erdgeschichte immer Klimaveränderungen gegeben hat und auch derzeit ein globaler Temperaturanstieg zu beobachten ist. Wird die Aussage, es habe schon immer Klimawandel gegeben, allerdings genutzt, um den derzeitigen Wandel zu erklären, dann ist das auf verschiedenen Ebenen bedenklich. Warum?

1. Der menschliche Einfluss

In Diskussionen dieser Art wird oft der menschengemachte Einfluss heruntergespielt oder geleugnet. Wenn man sagt, dass es schon immer Klimawandel gegeben hat, dann suggeriert man, dass auch derzeitige Klimaveränderungen nur natürliche Ursachen haben.

2. Normalität und Harmlosigkeit

Damit wird in einem nächsten Schritt impliziert, dass der derzeitige Klimawandel etwas normales und ungefährliches sei, weil es das ja immer gegeben habe. Der Fakt, dass auch frühere Klimaveränderungen zu starken Disruptionen oder Veränderungen auf der Erde geführt haben und das Leben unzähliger Arten bedroht und/oder ausgelöscht haben (was auch für die derzeitige Veränderung prognostiziert wird), wird meist nicht betrachtet. 

3. Klimawandel sind nicht vergleichbar

Die beiden ersten Punkte laufen wohl auch auf diesen hier hinaus. Oft wird versucht, die früheren Klimaveränderungen mit der jetzigen zu vergleichen oder in Relation zu setzen. Warum geht das nicht? Einerseits, weil die CO2-Konzentration heute so hoch ist wie seit 15 Millionen Jahren nicht mehr – damals war es durchschnittlich fünf Grad wärmer, die Arktis eisfrei und der Meeresspiegel 60 Meter höher. Viele Klimaschwankungen der Erde waren nur auf bestimmte Regionen beschränkt. Der derzeitige Anstieg ist hingegen global zu beobachten. 

Weiterhin gab es in der gesamten Geschichte der Menschheit keine so schnelle Veränderung des Klimas. „Der heutige Klimawandel läuft zehnmal schneller ab als jeder andere zuvor – wenn man singuläre Ereignisse  wie Asteroideneinschläge oder Supervulkanausbrüche ausschließt“, so Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie gegenüber Focus Online. Und so ein singuläres Ereignis hätten wir wohl mitbekommen.

Letztlich, der wohl der entscheidendste Punkt: Die Erde war bei keiner der zurückliegenden Klimaschwankungen so dicht besiedelt wie heute: mit knapp 8 Milliarden Menschen. Der Klimawandel wird Ressourcen verknappen, Verteilungskämpfe verschärfen und Orte, an denen heute noch hunderte Millionen Menschen leben, unbewohnbar machen.

Der menschliche Einfluss beschleunigt den Klimawandel dabei so schnell, dass sich Pflanzen und Tiere wohl evolutionär nicht anpassen können. Eine Studie aus dem Jahr 2013, welche im Fachjournal Ecology Letters veröffentlicht wurde, zeigt, dass sich einige Arten über 10.000 mal schneller anpassen müssten, als es ihre natürliche Evolution hergibt.

Dass der Mensch am derzeitigen Klimawandel Schuld hat, das ist wissenschaftlicher Konsens: “Nur menschengemachte Emissionen von Treibhausgasen, etwa aus der Verbrennung fossiler Energieträger, können den derzeitigen Klimawandel erklären”, ordnet es die Seite Klimafakten ein, die sich mit verschiedenen wissenschaftlichen Themen rund um den Klimawandel beschäftigt.

Wenn beim Weihnachtsspaziergang im Pullover also mal wieder über den milden Dezember gesprochen wird und Onkel Herbert sagt: “Das ist doch ganz normal, den Klimawandel hat es doch schon immer gegeben” – was könnte man also antworten?

“Hey Herbert,

du hast absolut Recht mit deiner Aussage, dass es schon immer Klimaschwankungen auf der Erde gegeben hat. Schon zurückliegende Klimaveränderungen haben viele Arten auf der Erde aussterben lassen. Der derzeitige Klimawandel wird aber durch menschliches Zutun, vor allem durch den hohen CO2-Ausstoß ausgelöst und beschleunigt. Das ist wissenschaftlich gesichert. Man kann die vergangenen natürlichen Klimawandel deshalb nicht mit dem derzeitigen vergleichen. Vor allem auch, weil es früher keine 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten gab, für die Platz und wichtige Ressourcen fehlen werden.
Nur weil frühere Klimawandel natürlich waren, trifft das auf den derzeitigen nicht zu.

Der derzeitige Klimawandel ist in seiner Geschwindigkeit nicht mit vorhergegangen zu vergleichen und alles andere als “normal”.”


QUELLEN:
Umweltbundesamt: Was sind die Ursachen der Klimaänderung?
Sceptical Science: CO2 is main driver of climate change
PIK: Die Thesen der „Klimaskeptiker“ – was ist dran?
Europäische Kommission: Ursachen des Klimawandels
Ecology Letters: Quintero/Wiens, 2013: Rates of projected climate change dramatically exceed past rates of climatic niche evolution among vertebrate species
Heise: Klimawandel? Gab es schon immer!
Klimafakten: Das Klima hat sich schon immer gewandelt
Focus Online: Zitat Jochem Marotzke

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