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Weltfrauentag: Ohne Gendergerechtigkeit keine Klimagerechtigkeit!

Bei meiner Recherche zu “Weiblichkeit und Nachhaltigkeit” bin ich auch auf viele Aspekte gestoßen, warum das ungleiche Machtverhältnis von Männern und Frauen auch für den Klimaschutz ein wichtiges Thema sein kann. Heute am Weltfrauentag habe ich mir das Thema noch einmal aus einer anderen Perspektive angeschaut. Inwiefern kann der Klimawandel geschlechtsspezifisch betrachtet werden – und welche Rolle spielt die Frau dabei?

Ich habe hier einige Theorien, Argumente und Fakten zusammengestellt und die Recherche möchte ich gerne mit euch teilen. Es handelt sich dabei, wenn nicht anders beschrieben, nicht um meine eigene Meinung.

In dem Bericht “Gender und Sustainability” vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) versuchen sich die Autorinnen dem Thema wissenschaftlich zu nähern. Ihr Ergebnis: Bei vielen Programmen zur Förderung der Nachhaltigkeit sind die Männer sichtbarer, da diese öfter (öffentliche) Positionen innehaben, die auch mit einer gewissen Entscheidungsgewalt zusammenhängen. Dieser Mangel an Frauen in führenden Positionen wirkt sich daher auch auf die nachhaltige Entwicklung aus und nimmt vielen Frauen einen wichtigen Weg, zu partizipieren. Bei vielen Umweltbewegungen zeigt sich allerdings mittlerweile ein anderes Bild. Bewegungen wie Fridays For Future haben sichtbare Frauen an der Spitze, die in der aktuellen Diskussion sehr präsent sind. Fridays For Future oder Ende Gelände haben mittlerweile so eine enorme Reichweite, dass sie als Sprachrohr enormen Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben können.

Folgen des Klimawandels treffen mehr Frauen

Das grundsätzliche Argument in dieser Debatte ist folgendes: “Der Klimawandel ist nicht geschlechtsneutral.“ Zu diesem Schluss kommt auch ein Bericht des UN-Menschenrechtsrats.

Natürlich betreffen die Auswirkungen des Klimawandels jeden Menschen auf der Erde. Fakt ist aber: Frauen treffen die Folgen des Klimawandels, wie Überschwemmungen oder Dürren früher und stärker als Männer. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen oft zuerst die Menschen, die sowieso schon einen sehr schweren Stand haben und von Armut bedroht sind. 70% der Menschen, die derzeit unter der Armutsgrenze leben, sind Frauen.

In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen Frauen in einer traditionell gesellschaftlichen Rolle bereits benachteiligt werden, arbeiten sie zusätzlich oft in der Landwirtschaft und sind für die Versorgung und den Haushalt zuständig. Vor allem hier bedroht der Klimawandel Existenzen. Dort haben klimabedingte Ernteausfälle oder Wasserknappheiten einen enormen Einfluss auf das Leben und erfordern eine erhöhte Arbeitsleistung, die oft über eine schulische Ausbildung gestellt wird.

Auch bei Naturkatastrophen sind in diesen Regionen immer mehr Frauen unter den Opfern. Beim Tsunami im Jahr 2004 starben vier Mal so viele Frauen wie Männer, ebenso beim Zyklon Sidre in Bangladesch 2007. In einem Interview mit der taz begründet es Linda Ederberg von GenderCC – Woman for Climate Justice so: “Frauen sind häufiger zu Hause, kümmern sich um Angehörige und haben schlechteren Zugang zu Informationen wie Warnungen vor Katastrophen. Frauen mit Kindern oder Schwangere können schlechter fliehen.”

Auch bei möglichen Krankheiten, die sich bei solchen Katastrophen oder hohen Temperaturen schneller ausbreiten, sind oft Frauen die Leidtragenden. Da die sogenannte Care-Work oft von Frauen geleistet wird, erhöht sich auch das Ansteckungsrisko.

Nicht umsonst hat das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz die Geschlechtergleichstellung als einen wichtigen Punkt für eine nachhaltige Entwicklung definiert.

Was muss also geschehen?

Die Klimabewegung ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und hat an Stimmen gewonnen. Eine ähnliche Tendenz lässt sich auch beim Thema Feminismus erkennen. Je mehr man die beiden Themen betrachtet, umso mehr lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen. Es geht bei beiden Themen auch darum, Denkansätze, die sich in der Gesellschaft verankert haben, zu durchbrechen.

Vor allem müssen auch die Rollenbilder, die im letzten Post genauer beschrieben wurden, überwunden werden, damit der Einsatz für den Klimaschutz nicht in deren Schatten steht. Primär muss in Gebieten, in denen noch extrem ungleiche Verhältnisse zwischen Mann und Frau herrschen, eine Veränderung stattfinden. Meiner Meinung nach muss der Aspekt der Gendergerechtigkeit noch enger an den des Klimaschutzes gekoppelt werden. So kann sich ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs entwickeln, der jeden Menschen einschließt. Die Genderperspektive sollte daher bei klimapolitischen Diskussionen eine viel präsentere Rolle einnehmen. Ohne Gendergerechtigkeit keine Klimagerechtigkeit.




QUELLEN:
IFPRI: Gender and sustainability
Reuters: Climate change a ‘man-made problem with a feminist solution’ says Robinson
Der Standard: Warum der Klimaschutz den Feminismus braucht – und umgekehrt
Bundeszentrale für politische Bildung: Klimawandel, Migration und Geschlechterverhältnisse
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: 17 Ziele
Heinrich Böll Stiftung: Armut bleibt weiblich / Klimawandel trifft insbesondere Frauen
taz-Interview: „Bei Dürren sterben mehr Frauen“
Europäisches Parlament: Klimawandel und Gender / über Frauen, die Gleichstellung der Geschlechter und Klimagerechtigkeit
Enorm-Magazin: Keine Klimakrise ohne Geschlecht
Bioarama: Ist Nachhaltigkeit weiblich?
Libertine-Magazin: MEHR FRAU. MEHR NACHHALTIGKEIT?
Klimafakten: “Klimawandel ist männergemachtes Problem – und braucht eine feministische Lösung”

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