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Palmöl: Das schmutzige Geschäft mit Biodiesel

Palmöl in Lebensmitteln und in Kosmetik ist in der nachhaltigen Community gefühlt oft ein riesiges Thema. Was wenige Menschen wissen: Über 4,3 Millionen Tonnen Palmöl, also über die Hälfte des Palmöls, das jährlich nach Europa kommt, werden einfach verbrannt. Und landen dann ausgerechnet im Biodiesel. 

Der Ärger begann mit einer im Jahr 2008 beschlossenen EU-Richtlinie, die eigentlich das Ziel hatte, CO2 zu reduzieren: 7% des Öls im Diesel sollten von diesem Zeitpunkt an aus nachwachsenden Rohstoffen stammen. Nachwachsende Rohstoffe, das könnte Rapsöl aus Deutschland oder Sonnenblumenkernöl aus Rumänien bedeuten. In der Realität bedeutet es allerdings: Palmöl aus Indonesien und Malaysia.

Die Folge dieser EU-Richtlinie war fatal: Die Palmölproduktion und damit die Rodungen in Indonesiens und Malaysias Regenwäldern ging rapide in die Höhe. Mittlerweile gehen 65% des von der EU-importierten Palmöls, ca. 4,3 Millionen Tonnen, für Kraftstoffe drauf. Dadurch ist der „Biodiesel“ nun dreimal schlechter fürs Klima als normaler Diesel.

Durch die Rodung verlieren immer mehr Arten, wie Orang-Utans, Asiatische Elefanten und der Rhinozerosvogel ihre komplette Lebensgrundlage. Auch indigene Völker werden oft ohne Rücksicht aus den Gebieten vertrieben.

Die EU hat nun zwar im Februar diesen Jahres beschlossen, dass Palmöl nicht mehr als nachhaltig eingestuft wird und deshalb zumindest nicht mehr in Bio-Kraftstoff kommen darf. Palmöl im Verkehrssektor wird nun nicht länger über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) der EU gefördert. Das Verbot von Palmöl im Diesel wird allerdings noch dauern: Bisher ist angedacht, dass es erst 2030 völlig aus dem Kraftstoff verschwunden sein muss.

Sollte das nicht schneller gehen? Ja, finden die Mitglieder der Deutschen Umwelthilfe, kurz DUH. Der Stellvertretende Bereichsleiter im Naturschutz der DUH, Peer Cyriacks, sagt mir auf Nachfrage: „Da uns der beschlossene EU- „phase out“ zu langsam ist, versuchen wir aktuell, einen Ausstieg aus Palmöl (und Sojaöl) im Diesel auf deutscher Ebene durchzusetzen und suchen nach politischen Möglichkeiten.“

Das Problem, betont er dabei, sei gar nicht das Palmöl an sich: „Die Palmölpflanze ist die ertragreichste, die es gibt. Kokosöl zum Beispiel hat eine weitaus schlimmere Auswirkung, weil pro Pflanze viel weniger Öl gewonnen werden kann, dafür also mehr Fläche gerodet werden muss. Wir kommen an Palmöl wahrscheinlich nicht vorbei. Aber es für Kraftstoff zu verbrennen, anstatt es für Lebensmittel zu nutzen, ist eine wirkliche Verschwendung.“

Die EU ist weltweit der zweitgrößte Importeur von Palmöl. Während bei Lebensmitteln immerhin 85% zertifiziertes Palmöl beigesetzt wird, muss in Kraftstoffen nicht einmal gekennzeichnet werden, dass überhaupt welches enthalten ist.




QUELLEN:
Deutsche Umwelthilfe: Pressemitteilung “EU verbannt Palmöl aus dem Diesel”, Homepage und persönliches Gespräch mit Peer Cyriacks (Stellv. Bereichsleiter Naturschutz)
Transport & Environment: Almost two-thirds of palm oil consumed in the EU is burned as energy – new data

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