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Ist Bier vegan?



Erstmal Entwarnung: Bier, das nach dem Deutschen Reinheitsgebot hergestellt wird, ist immer vegan. Das gilt sowohl für die festgelegten Inhaltsstoffe (Wasser, Hefe, Malz und Hopfen) als auch für andere Produktionsschritte.
„Das auf dem Reinheitsgebot basierende Vorläufige Biergesetz und die Bierverordnung geben klare Vorgaben für die Herstellung von Bier, wonach tierische Stoffe wie Gelatine oder Hausenblase nicht zulässig sind”, heißt es dazu auf der Webseite des Brauerbunds.


Da kann man sich als vegan lebende Person also sicher sein.

ABER…

Gibt es nicht vegane Biere?


Ja. Vor allem bei importierten Bieren lohnt sich ein genauerer Blick. Im Ausland herrschen andere Standards, so sind beispielsweise viele Biere aus England nicht mal vegetarisch. Dass dein Bier mithilfe von Fischblasen geklärt wurde, kann daher erstmal nicht ausgeschlossen werden.

Vorsicht vor Läusebier


Aber auch einige deutsche Brauereien arbeiten mit tierischen Stoffen. Besonders aufmerksam sollte man bei Biermischgetränken sein. Bei manchen Fassbrausen werden zum Beispiel einige Inhalte mit tierischen Stoffen geklärt. Auch Farbstoffe sind so ein Thema: Die Zutat E120 bedeutet, dass der Farbstoff Karmin verwendet wird. Dieser wird aus dem befruchteten, getrockneten Weibchen der Scharlach-Schildlaus hergestellt.

Auf den Leim gegangen


Und dann gibt es da noch einen Knackpunkt in der Getränkebranche: Den Leim.
Denn fast alle der Etiketten werden mit einem casein-haltigen Leim an die Flaschen angebracht. Casein ist ein tierisches Erzeugnis, das aus Kuhmilch hergestellt wird.
Bierflaschen sind also in den seltensten Fällen vegan.
Der casein-haltige Leim ist dabei absoluter Industrie-Standard.

Im Zuge dieser Recherche haben wir nach euren Lieblingsbieren gefragt.

Wir haben bei insgesamt 89 Brauereien angefragt, ob ihr Bier vegan sei.

43 haben uns bis zur Veröffentlichung des Beitrages geantwortet.*

Lediglich vier Brauereien gaben an, dass ausschließlich nicht-tierische Leime zum Einsatz kommen.
Alle anderen bestätigten, dass zumindest teilweise, oft aber einzig und allein, Leim aus Casein genutzt werde.

*Viele Brauereien haben auf den Pressekontakt des Deutschen Brauerbunds verwiesen. Der Ansprechpartner schrieb uns allerdings, dass aufgrund der Vielzahl der vertretenen Biere, keine Auskunft zu einzelnen Marken gegeben werden kann.
¯_(ツ)_/¯

Interessant war, dass die Aussagen, warum der Leim verwendet werde, weit auseinandergingen.

Viele betonten die Qualität der Leime, die so von den synthetischen Leimen unerreicht bleiben würde. Vor allem was die Haftbarkeit anginge. Synthetische Leime würden die Belastung der Temperaturunterschiede nach dem Reinigen (warme Flasche, kaltes Bier) nicht aushalten.Versuche mit synthetischen Leimen ließen die Etikette immer verrutschen oder abfallen. Auch der ökologische Faktor sei zu berücksichtigen: Weil der Casein-Leim viel einfacher abzuwaschen sei, würden viele Ressourcen bei der Reinigung der Flaschen gespart werden, schreibt eine Brauerei. Bei der synthetischen Variante hingegen würde die Entsorgung und Reinigung erschwert. Der Casein-Leim sei, so einige Aussagen, deshalb sogar die ökologisch sinnvollere Wahl.

Eine sehr ehrliche Antwort kam von anderer Seite: “Das ist Industriestandard und hat einfach mit dem Preis zu tun. Als Abfallprodukt der Milchindustrie ist Casein in rauen Mengen verfügbar und dementsprechend günstig. Es gibt schon alternative Klebstoffe, diese können derzeit aber nicht mit dem Preis eines Casein-Leims konkurrieren.”

Die vielen verschiedenen Antworten der Brauereien haben mich ein bisschen ratlos zurückgelassen. Ist die Nutzung von Tierprodukten jetzt eine Qualitäts- oder eine Preisfrage? Zumindest versicherten mir viele Brauereien, dass sie regelmäßig Alternativen prüfen würden und auch bereit wären Arbeitsschritte zu ändern, wenn es qualitativ gleichwertige “vegane” Leime gäbe.

Nimmt man es also als vegan lebende Person ganz genau, dann sind die meisten Biere tabu. Die Inhaltsstoffe allerdings meistens nicht. Will man also auf Nummer sicher gehen, sollte man immer beim Hersteller nachfragen, oder Dosen- und Fassbier bevorzugen.

Wenn du zumindest bei den Inhaltsstoffen sichergehen möchtest, kann ich dir zwei Seiten empfehlen: 1. Codecheck, hier sind viele Produkte mit Inhaltsstoffen aufgelistet – inklusive Einordnung, ob das Produkt vegan ist oder nicht. 2. Barnivore: Eine sehr ausführliche Datensammlung zu alkoholischen Produkten, inklusive E-Mail-Verläufe der Anfragen an die Unternehmen.

Wie ist das bei euch? Wusstet ihr, dass der Etikettenleim (fast immer) einen tierischen Ursprung hat? Wäre das für euch ein Grund, nur noch auf Marken zurückzugreifen, die synthetische Leime nutzen?

Die Liste der Brauereianfragen, findest du hier.

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