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Nutella-Boykott: Sinnvoll oder nicht?

Nutella – für viele Umweltaktivist*innen das personifizierte Böse. Warum? Der Schokoaufstrich von Ferrero enthält besonders viel Palmöl. Für dieses werden in Indonesien und Malaysia riesige Flächen an wertvollem Regenwald gerodet. Die logische Konsequenz also, ein Nutella Boykott? Ganz so einfach ist es nicht, sagt Peer Cyriacks von der Deutschen Umwelthilfe.

Zunächst einmal: Ja, Nutella enthält besonders viel Palmöl. Und unser Palmölkonsum hat schwerwiegende Folgen, speziell hier in Europa: Wir importieren über 7 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr, hauptsächlich aus Indonesien und Malaysia. Die beiden Länder haben in den vergangenen Jahren dafür unzählige Hektar an Regenwald verloren.

Indonesien ist nach China und den USA mittlerweile zum drittgrößte CO2 Emittenten der Welt aufgestiegen. Etwa 30% der Waldrodungen dort sind laut WWF auf Palmöl zurückzuführen.

Palmöl ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken

Für die Lebensmittelindustrie ist Palmöl interessant, weil es bei Raumtemperatur fest und geschmacksneutral ist. Außerdem ist die Ölpalme die effizienteste unter den Ölpflanzen – pro Hektar Land können laut WWF 3,69 Tonnen Palmöl gewonnen werden. Bei Soja sind das 0,52, bei Kokos 0,77. 

Palmöl ist in unzähligen Lebensmitteln, in Kosmetika, in der Chemie, und auch im Kraftstoff vorhanden. Die Kennzeichnungspflichten variieren in den verschiedenen Branchen immens, was bedeutet, dass jeder von uns wahrscheinlich jeden Tag auf die ein oder andere Art und Weise mit Palmöl in Kontakt kommt.

Zurück zu Nutella. Ferrero weiß laut WWF und Peer Cyriacks von der DUH als einer der wenigen Hersteller genau, woher ihr Palmöl stammt. Sie beziehen zu 100% physisch segregiertes Palmöl und unterstützen die Palm Oil Innovators Group, die sich gemeinsam mit WWF, Greenpeace und weiteren NGOs für strengere Kriterien bei der Palmölproduktion einsetzt.

Diese Gruppe ist laut WWF die beste Alternative, die es momentan gibt – der Runde Tisch für Palmöl (RSPO), der sich für Mindeststandards bei der Produktion einsetzt und das Palmöl dann zertifiziert, steht dagegen immer wieder in der Kritik, weil Mitglieder gegen Kriterien verstoßen.

Ferrero bezieht ihr Palmöl ausschließlich von dieser Palm Oil Innovators Group. Das ist das nachhaltigste und hochwertigste Palmöl, das es momentan gibt. Warum sie das nicht mehr vermarkten – das müssen Sie Ferrero selber fragen“

Peer Cyriaks, Deutsche Umwelthilfe

Wäre es nicht trotzdem besser, überhaupt kein Palmöl zu verwenden? „Nicht unbedingt“, sagt Cyriacks. Man müsse sich die Alternativen anschauen, die verwendet werden. Bei Schokolade seien das meistens Kokos oder Soja – also Pflanzen, die ebenfalls in den Tropen wachsen.

Kokos und Soja sind oft nicht besser

Tatsächlich haben Kokosöl und Sojaöl haben eine weitaus schlimmere CO2 Bilanz, weil man viel mehr Pflanze und damit Fläche für viel weniger Öl benötigt.

Bio Schokocremes, die sich damit schmücken, kein Palmöl mehr zu verwenden und dafür auf eine dieser Alternativen umgestiegen sind (z.B. eine Lindt Haselnusscreme auf Soja oder Grashoff 1872 Chocolat auf Kokos), verschieben nur das Problem, wenn sie es nicht sogar vergrößern – für Soja braucht man sechsmal so viel Fläche als für Palmöl.

Allerdings bekommen diese als Bio gebrandeten Produkte keinen Shitstorm ab.  

Und was jetzt? „Die einzige wirkliche Alternative, die ich sehe, ist die Verwendung von nachhaltigerem Palmöl. [..] Der RSPO ist kein Öko-Label und auch uns fehlen noch schärfere Kriterien – aber nichts tun, ist auch keine Lösung“, sagt Ilka Petersen vom WWF in einem Blog Artikel.  

Dieser Meinung ist auch Peer Cyriacks. „Und zusätzlich müssen wir dafür sorgen, dass Palmöl eben nicht mehr sinnlos für Kraftstoffe und in der Chemie verbrannt wird. Da liegt meiner Meinung nach das größte Problem.“

Laut einer Studie des Bundestags wurden 2018 außerdem bereits 31.4 % des nach Deutschland importierten Palmöls aus den Niederlanden bezogen. Es folgen Indonesien mit 25.1% und Malaysia mit 16.5%.



QUELLEN:
Deutsche Umwelthilfe: Pressemitteilung, Homepage und persönliches Gespräch mit Peer Cyriacks (Stellv. Bereichsleiter Naturschutz)

WWF: Palmöl: Macht es Sinn, Nutella zu boykottieren?


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