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Was wäre wenn alle auf der Welt vegan leben würden?

Was würde passieren, wenn jeder Mensch auf der Welt vegan leben würde?
Ich habe mich mit diesem utopischen Szenario auseinandergesetzt und nach Studien gesucht, die die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht haben.

Vegan für die Tiere, vegan für die Umwelt, vegan für sich selbst: Oder alles auf einmal. 

Veganismus ist längst kein Nischenthema mehr, ist und bleibt aber eines, über das viel gestritten wird. Die Diskussionen finden irgendwo zwischen moralisch/ethischen, gesundheitlichen, aber vor allem auch klimapolitischen Dimensionen statt. Die Fronten der beiden Lager? Teilweise hoffnungslos festgefahren. Ich habe mich gefragt, wie eine Welt aussähe, die komplett ohne tierische Produkte auskommt. Was würde das bringen? Und ist das überhaupt möglich?

Was wäre wenn?

Dass eine fleischhaltige Ernährung das Klima extrem belastet, ist mittlerweile Konsens. Aber auch vegetarische Erzeugnisse wie Milch oder Käse erzeugen ein hohes Maß an Treibhausgas-Emissionen. Doch was würde ein weltweiter Fleischverzicht der Umwelt bringen? In einer Studie der Oxford Universität wurden insgesamt 40.000 Agrarbetriebe aus 119 Ländern untersucht. Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Ein kompletter Verzicht von Fleisch- und Milchprodukten würde die Treibhausgas-Emissionen stark senken. Alleine in Deutschland um circa 2 Tonnen pro Person. (11 Tonnen sind es im Schnitt jährlich).

Die Viehzucht nimmt weltweit viel Platz ein. Die genutzten Flächen könnten um bis zu drei Milliarden Hektar, bzw. 75 Prozent reduziert werden. Laut der Oxford Studie könnten sieben Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden, also ganze 49 Prozent. 

Auch der Regenwald würde extrem entlastet. Viel Fläche, die heute für Weideflächen oder Tierfutterproduktion hergestellt wird, könnte wieder bewaldet werden. Laut einer Studie vom Institut für Soziale Ökologie könnte eine vegane Ernährungsweise auf der Erde weitere Rodungen komplett verhindern.

 „Eine vegane Ernährung ist wahrscheinlich der beste Weg, um die Umwelt nachhaltig zu entlasten, nicht nur in Bezug auf den Ausstoß von Treibhausgasen, sondern auch im Hinblick auf die globale Versauerung der Böden, die Überdüngung, die Landnutzung und den Wasserverbrauch. Das hat einen viel größeren Effekt als nicht mehr mit dem Flugzeug zu fliegen oder ein Elektroauto zu kaufen, so Joseph Poore, Leitautor der Oxford Studie, in einem Interview mit The Guardian.

Zumindest der Umweltaspekt scheint also ganz klar in Richtung veganer Ernährung auszuschlagen. Allerdings gibt es auch gegensätzliche Studien. Eine Untersuchung von zwei Autorinnen der Virginia Tech kam zu dem Ergebnis, dass die Umstellung gar nicht so eindeutige Ergebnisse bringen würde. Grund für die Annahme: Viele Abfälle, wie beispielsweise Reste von Kartoffel- oder Maisernten, würden heute für Tierfutter verwendet. Fiele diese Weiterverwendung weg, müssten die Abfälle verbrannt werden. Auch müsse vermehrt auf Kunstdünger umgestiegen werden. Diese beiden Faktoren würden einen erhöhten CO2-Ausstoß fördern. Aber auch diese Studie bleibt sehr umstritten, so wurde hier der Faktor von Fleischimporten nicht berücksichtigt, die ebenfalls einen großen Anteil ausmachen. Die Studie behandelt außerdem nur die USA.

Veganismus außerhalb der Ernährung

Neben dem offensichtlichen Aspekt der Ernährung gibt es noch viele weitere Lebensbereiche, die eine Umstellung auf vegan betreffen würde. Und hier wird es absolut unüberschaubar. Vegane Autos und Fahrräder? Bisher werden doch viele Sitzgarnituren oder auch die Reifen mit tierischen Stoffen hergestellt.
Vegane Musik? Knochenleim in Gitarren, Woll-Filz zur Dämpfung von Klavieren. Kleidung. LCD-Bildschirme von Computern oder Smartphones. Gelatine auf Papier. Kosmetik. Kleber. Oder sogar Impfstoffe. Es gibt unglaublich viele Bereiche, in denen tierische Produkte verwendet werden.

Fazit?

Natürlich ist die Umstellung zu einer veganen Welt eine Utopie und in naher Zukunft komplett unrealistisch. Was passiert beispielsweise mit der Milliarde Menschen, die mit Fleisch, Fisch und Milch ihren Lebensunterhalt verdienen? Die Zahlen der Oxford-Studie zeigen allerdings, dass es grundsätzliche Umstrukturierungen geben muss, um Klimaziele erreichen zu können.

Umfassende Veränderungen werden sich – falls überhaupt – nur langsam vollziehen. Auch weil viele soziale oder kulturelle Aspekte mit einfließen. Doch Skandale wie jetzt rund um Tönnies offenbaren die miserablen Zustände der Massentierhaltung und fördern die Diskussion, die Strukturen kritisch zu hinterfragen. 

Prognosen zufolge steigt die Weltbevölkerung bis 2050 auf über 10 Milliarden Menschen an. Gleichzeitig sollen die Emissionen der Landwirtschaft um bis zu 87 Prozent steigen. Viele Studien zeigen, dass sich eine Umstellung lohnen würde, um eine Versorgung der Weltbevölkerung zu sichern. Die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung sind zwei, bei denen viel Optimierungspotenzial vorhanden und bitter nötig ist.




QUELLEN:
Science: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers
The Guardian: Avoiding meat and dairy is ‘single biggest way’ to reduce your impact on Earth
Science Mag: What would happen if all Americans went vegan?
PNAS: Nutritional and greenhouse gas impacts of removing animals from US agriculture
PNAS: Analysis and valuation of the health and climate change cobenefits of dietary change
BMU: Der Klimaschutzplan 2050 – Die deutsche Klimaschutzlangfriststrategie
Quarks: So viele Treibhausgase kommen aus der Nutztierhaltung
Der Standard: Müssen wir wegen des Klimas alle Veganer werden? Es würde auf jeden Fall helfen
Spiegel: Jeder Veganer spart jährlich zwei Tonnen an Treibhausgasen
Utopia: Studie: So viel Treibhausgas sparen Veganer ein / Studie: Fleisch und Milch haben den größten Einfluss auf den Planeten
Weltagrarbericht: Studie: Pflanzliche Produkte belasten die Umwelt am geringsten
Andreas Sator: Alles gut?!: Unangenehme Fragen & optimistische Antworten für eine gerechtere Welt
The EAT-Lancet Commission on Food, Planet, Health
Can we feed a future population of 10 billion people a healthy diet within planetary boundaries?
Vegpool: Tierprodukte in Musikinstrumenten:
Statista: Prognose zur Entwicklung der Weltbevölkerung von 2010 bis 2100 (in Milliarden)*
alphagalileo.org: Weltbevölkerung kann ohne weiteren Verlust von Waldflächen ernährt werden

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