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(K)ein Grund zur Freude. Ein Kommentar.

“Das Coronavirus hat jetzt schon mehr erreicht, als das Klimapaket der Regierung!” In dieser anstrengenden Zeit sehnt man sich nach Good News. Ich denke, dass der Beitrag von Nicht Chevy Chase mit Sicherheit auch ein kleines Augenzwinkern beinhaltet. Ich habe rund um die Diskussionen der verbesserte Luftqualität in China sehr oft ähnliche Argumente gelesen. Und über das Klimapaket, darf man ruhig ein paar kritische Worte verlieren. Allerdings ist das Argument nicht zu Ende gedacht. Die Folgen und die Zeit nach der Krise müssen immer mitbetrachtet werden. Ein Kommentar.

Im letzten Kommentar habe ich mich darüber ausgelassen, warum man die Klimakrise und den Coronavirus nicht vergleichen kann. Einen Aspekt habe ich allerdings noch nicht betrachtet: Der Coronavirus ist doch eigentlich sehr klimafreundlich oder?

Zumindest zeigen das einige Zahlen aus China. Dort hat sich die Luftqualität durch die Abriegelung verbessert. Im Vergleich zu den vier Wochen zuvor, war der CO2-Ausstoß um ein Viertel niedriger. Schon sehr beeindruckend für das Land, dass mit Abstand die höchsten CO2-Emissionen aufzuweisen hat. Und auch sonst wird derzeit weniger geflogen, Fabriken stehen still. Meiner Meinung ist es trotzdem zynisch, den Virus aufgrund dieser positiven Nebeneffekte als Klimaretter zu bezeichnen.

Man muss sich nur mal anschauen, welchen sozialen Preis man für diesen ökologischen Effekt bezahlt. Die Auswirkungen spürt man derzeit nicht mehr nur in Wuhan und China, auch in Europa gibt es einschneidende Maßnahmen. Das öffentliche Leben und auch die öffentliche Freiheit in Europa werden derzeit extrem eingeschränkt. Existenzen sind bedroht. Da viele Geschäfte und Einrichtungen schließen, stehen viele Menschen vor schweren Zeiten. Kündigungen oder Lohnkürzungen sind da wahrscheinlich und in meinem Umfeld schon aufgetreten. Von den Selbstständigen oder auch einfach den ganzen sozialen oder medizinischen Berufen mal abgesehen, die die ganze Krise mit ihrer Arbeitskraft stemmen. Natürlich muss man ebenfalls bedenken, dass tausende Menschen sterben. Alleine dieser Fakt gibt diesem zweifelsfrei positiven Nebeneffekt einen sehr bitteren Nachgeschmack.

Ich möchte das alles nicht gegen die Folgen des Klimawandels aufwiegen, dieser Vergleich bringt nichts. Mein Punkt ist, dass es keine Rechtfertigung gibt, sich über die kurzweilige Verbesserung zu freuen, die wohl nur geringe Auswirkungen auf die Erderwärmung haben wird.
Der Klimawandel kann nur durch grundlegende Entscheidungen in der Politik und einen struktuellen Wandel abgeschwächt werden. Die Einschränkungen des Coronavirus sind hingegen nur vorübergehend. Doch was passiert, wenn die Krise einmal vorbei sein sollte? Der momentane Stillstand der Wirtschaft und die drohende Rezession könnten nämlich im Anschluss einen gegenteiligen Effekt haben.

Jakob Graichen vom Öko-Institut erklärt es im Deutschlandfunk folgendermaßen:

“Das heißt, eine kurze Durchschnaufpause, aber den strukturellen Wandel, den wir für den Klimaschutz brauchen, den kriegen wir durch eine Rezession nicht. Im Gegenteil! Dann wird viel Energie, Geld und Kraft dafür verwendet, die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen, die dann nicht für Klimaschutz zur Verfügung stehen.”

Natürlich sollte man auch aus Krisenzeiten immer etwas Positives mitnehmen. Ich finde, dass es einen solidarischen Zusammenhalt gibt, den ich vorher nicht sehr oft wahrgenommen habe. Ich finde es auch bemerkenswert, dass es in akuten Krisensituationen tatsächlich eine Handlungsfähigkeit gibt. Vielleicht kann man aus diesem Know-How auch etwas für die Krisenbewältigung des Klimawandels mitnehmen? Wichtig ist meiner Meinung nach nur: Bitte ordnet immer ein und vergesst nicht, dass die Krise für viele Menschen eine existenzielle Bedrohung darstellt. 

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