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Bäume pflanzen: Ein Allheilmittel gegen den Klimawandel?

Bäume pflanzen - Ein Allheilmittel gegen den Klimawandel?

Bäume pflanzen liegt stark im Trend, insbesondere bei Unternehmen, die damit für anderweitige umweltschädliche Aktivitäten kompensieren wollen. Doch ist Aufforstung wirklich immer die Lösung? Eine im Sommer 2019 im Science Magazin veröffentlichte Studie von Forschenden der ETH Zürich hat diese Frage bejaht – und ist damit in wissenschaftlichen Kreisen auf große Kritik gestoßen. Eine Zusammenfassung.

Eine im Science Magazin veröffentlichte Studie von Forschenden der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich ist zu der Einschätzung gekommen, dass der Klimawandel durch nichts so effektiv bekämpft werden könne wie durch Aufforstung.

Weitere Ergebnisse der Studie: 

  1. Die Erde könne ein Drittel mehr Wälder vertragen, ohne dass Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt würden
  1. Bäume zu pflanzen habe das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen.
  1. Die neuen Wälder könnten demnach 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, wenn sie herangewachsen sind – etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen zusätzlichen Kohlenstoffs, die seit der Industriellen Revolution durch den Menschen in der Atmosphäre verblieben sind.

Die Studie wurde in den Medien und der Wissenschaft heiß diskutiert und ist auf starke Kritik gestoßen. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Arbeit fälschlicherweise davon ausgehe, dass Böden in Ökosystemen ohne Bäume keinen Kohlenstoff enthalten.  

Warum ist das falsch? 

In vielen Lebensräumen wie Savannen und Torfmooren ist mehr Kohlenstoff im Boden gebunden als in der oberirdischen Vegetation. Die ökologische Sanierung von Grasland, Savannen, Buschland und Torfmooren wäre demnach in vielen Fällen sinnvoller als Bäume pflanzen.

Außerdem wurde kritisiert, dass (künftige) Weideflächen als potenzielle Fläche zur Aufforstung gewertet wurden.

Warum könnte die Annahme unrealistisch sein? 

Es wird erwartet, dass Weideflächen sich in den nächsten Jahrzehnten auf der Welt weiter ausbreiten und dann nicht zum Bäumepflanzen zur Verfügung stehen würden. Dass die Studie diese in ihre Berechnung miteinbezieht, verfälsche laut Kritiker*innen das Ergebnis.

Was könnten die Folgen der Fehleinschätzungen sein?

49 Wissenschaftler*innen folgern in ihrem ebenfalls im Science Magazin veröffentlichten Kommentar zu der Studie, die schwerwiegende Mängel hätten zu einer fünffachen Überschätzung des Potenzials neu gepflanzter Bäume für die Eindämmung des Klimawandels geführt.

Die Forschenden der ETH Zürich äußerten sich auf die starke Kritik hin erneut im Science Magazin. Auch wenn es möglich sei, dass dass sie das Potenzial der Aufforstung mit ihrem Modell an einigen Orten über- oder unterschätzt hätten, sind sie der Auffassung, dass sie das Potenzial der Baumpflanzung in ihrer Studie sogar noch unterschätzt haben. 

QUELLEN:
Science: The global tree restoration potential. (Science 05 Jul 2019: Vol. 365, Issue 6448, pp. 76-79)
Science: Comment on “The global tree restoration potential”. (Science  18 Oct 2019: Vol. 366, Issue 6463, eaay7976)
Zeit Online: Streit um Studie zum Bäumepflanzen fürs Klima

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