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“Aber die Anderen”: Österreich

Von emsigen Mülltrenner*innen und hohen Emissionen

Glasklare Bergseen, unberührte Bäche, grüne Wiesen und Wälder, hochalpine Gletscher – Österreich genießt bei Tourist*innen einen hervorragenden Ruf, was die Sauberkeit seiner Wanderrouten, Flüsse, Wiesen und Berge angeht. Dieses Image ist wichtig für das Land, denn mit einer prognostizierten direkten Wertschöpfung von 26,46 Milliarden Euro im Jahr 2018 zählt die Tourismusindustrie in Österreich zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. 

Doch was passiert umwelttechnisch sonst in dem mitteleuropäischen Binnenstaat?

Der Klimaschutzindex (KSI) 2019 bewertet Österreich insgesamt mit „schlecht

Die KSI-Rangliste von Germanwatch, in welcher 56 Länder und die EU beurteilt werden, fasst die Ergebnisse von 14 Indikatoren aus den Kategorien “Treibhausgase”, “Erneuerbare Energien”, “Energieverbrauch” und “Klimapolitik” zusammen. Österreich liegt hierbei auf den hinteren Plätzen (Platz 36) und ist im Vergleich zum Vorjahr um einen weiteren Platz abgefallen. Das Land liegt damit noch hinter China und Argentinien. 

Was ist verbesserungswürdig? 

  1. Klimapolitischer Rahmen und Energieverbrauch

Österreich wird im KSI-Index 2019 in den Kategorien Energieverbrauch und Klimapolitik insgesamt als schlecht bewertet. Zum Beispiel wird kritisiert, dass sich Österreich nicht für höhere Ziele bei den UN-Klimaverhandlungen einsetzt. Nachdem lange kritisiert wurde, dass das Land keine Maßnahmen zum Kohleausstieg einleiten würde, hat Österreich jedoch seit April 2020 den Kohleausstieg geschafft.

  1. Treibhausgasemissionen

In der Kategorie Treibhausgase wird Österreich als schlecht eingestuft. Laut dem österreichischen Umweltbundesamt sind die österreichischen Treibhausgas-Emissionen 2019 voraussichtlich um etwa 1,8 % gegenüber 2018 gestiegen (in Deutschland sind sie in derselben Zeit um 6,3% gesunken). Höhere Emissionen seien insbesondere in der Industrie und im Verkehr zu verzeichnen. Die nationalen Expert*innen des KSI kritisieren zudem, dass Maßnahmen fehlen, die einen weiteren Anstieg der Emissionen, insbesondere im Verkehrssektor, verhindern.

Positives Ergebnis für „Erneuerbare Energien“

Aufgrund eines hohen Anteils an Wasserkraft (35,3 %) und feste Biomasse (28,1%) wird Österreich in der Kategorie Erneuerbare Energien als gut bewertet. Aber auch in diesem Bereich hagelt es heftige Kritik: Wegen zu geringem Ausbau und dem zu hohen Energieverbrauch steigt der Anteil erneuerbarer Energie in Österreich nicht mehr an. So lag er 2016 bei 33 Prozent, 2017 bei 32,5 Prozent und bleibt damit relativ konstant. Die meisten anderen Länder starten zwar von einem niedrigeren Niveau aus, haben dafür aber steigende Anteile erneuerbarer Energien.

“Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Dass Österreich keine Atomkraftwerke betreibt und einen hohen Anteil erneuerbarer Energie hat, sind die Verdienste vergangener Jahrzehnte. Sie dürfen aber nicht als Ausrede für weitere Untätigkeit herhalten”, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, gegenüber APA OTS.

Mülltrennung

In der Bewirtschaftung von Abfall hingegen befindet sich Österreich unter den EU-Spitzenreitern. Eine Studie des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) zeigt:  Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung trennt gewissenhaft ihren Abfall und findet Recycling wichtig und sinnvoll. 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sehen in der Mülltrennung demnach ihren wichtigsten persönlichen Beitrag zum Umweltschutz. 

Schutzgebiete und Gletscher

Österreich bietet eine spektakuläre Natur, die es zu schützen gilt. Heute sind 16 % der Bundesfläche Natura 2000-Gebiet, Nationalpark oder als Naturschutzgebiet streng geschützt. Hinzu kommen noch fast 11 % weniger streng geschützte Gebiete. 27 % der Fläche Österreichs steht somit insgesamt unter Naturschutz. 

Dennoch gibt es hier noch Luft nach oben – insbesondere wenn es um einen stärkeren Gletscherschutz geht. Auch derzeit wird beispielsweise darüber diskutiert, einen unberührten Gletscher für den Zusammenschlusses der Skigebiete Pitztal und Ötztal weichen zu lassen. Wie Daten der EU-Umweltbehörde zeigen, würde gerade in den Ötztaler Alpen dieser Schutz besonders wichtig sein. Während in den vergangenen sechs Jahren die Gletscherfläche in Österreich um mehr als sieben Prozent zurückgegangen sei, hätte man in den Ötztaler Alpen einen Rückgang von fast zwölf Prozent verzeichnet.

Fun Fact: Zu saubere Seen?

Die Europäische Umweltagentur stellte Österreich 2016 ein Musterzeugnis aus: 99,6 % der Badeseen erfüllen die Qualitätsvorgaben, fast alle Seen und Flüsse haben Trinkwasserqualität. Was erstmal toll klingt, birgt einen neuen, unerwarteten Haken: So fühlen sich viele Fische in derart sauberem Wasser nicht mehr wohl. Durch die eingesetzten Kläranlagen und Kanalisation sank der Phosphatgehalt und somit die Ernährungsgrundlage für die Algen. Da die Algen wiederum das Überleben der Fische sichern, verschwinden immer mehr Fischarten – allen voran der Felchen.



QUELLEN:
Klimaschutzindex 2019: Österreich
Umweltbundesamt AT: Klimaschutzbericht 2019 Perspektiven für Umwelt und Gesellschaft
Österreichisches Bundesministerium: Landwirtschaft, Regionen und Tourismus – Erneuerbare Energie in Zahlen 2018
Oesterreichseenergie: Daten und Fakten zur Stromerzeugung
Bundesregierung Deutschland: CO2-Emissionen 2019 deutlich gesunken
MINISTERIUM FÜR EIN LEBENSWERTES ÖSTERREICH: Grüner Bericht
Global2000: Österreich rutscht bei Klimaschutzindex auf Platz 38 ab

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