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Warum Corona das Klima NICHT nachhaltig entlastet.

Welchen Einfluss hatten die starken Einschränkungen der Pandemie wirklich auf das Klima? Ein neuer Bericht der World Meteorological Organization hat genau diesen Faktor untersucht. Das Ergebnis: Die Maßnahmen haben weniger Einfluss auf die Treibhausgas-Emissionen als bisher angenommen.

Delfine kommen zurück, bessere Luft und weniger Co2: “The nature is healing”, hieß es im März. Doch so gerne man sich in diesen Zeiten auch bemüht, das Positive zu sehen, so kann und wird die Corona-Pandemie den Klimawandel nicht abschwächen. 

Wie wenig Einfluss die Einschränkungen der Pandemie wirklich auf das Klima haben, zeigt ein neuer Bericht der World Meteorological Organization (WMO), der in dieser Woche veröffentlicht wurde.

“Der lockdown-bedingte Rückgang der Emissionen ist nur eine winzige Delle in der Langzeitbetrachtung. Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen”, so Petteri Taalas, Generalsekretär der WMO.

In dem Bericht wird geschätzt, dass die CO2-Emissionen während der weltweiten Lockdowns um circa 17 Prozent zurückgegangen sind. Auf das ganze Jahr gerechnet schätzen die Expert*innen einen Rückgang von lediglich 4.2 bis 7.5 Prozent.

Eine weitere erschreckende Erkenntnis des Berichts: Trotz des Rückgangs des CO2-Ausstoßes ist die Konzentration der Treibhausgase weiter auf Rekordhoch. Der Grund dafür ist, dass das Kohlendioxid über lange Zeit in der Atmosphäre bleiben kann und die Konzentration immer mehr zunimmt.

“Kohlendioxid verbleibt für Jahrhunderte in der Atmosphäre. (…) Das letzte Mal, dass die Erde eine vergleichbare Konzentration von CO2 hatte, ist 3 bis 5 Millionen Jahre her. Damals war es 2-3 Grad wärmer und der Meeresspiegel 10-20 Meter höher, als jetzt. Aber damals gab es keine 7.7 Milliarden Menschen”, so Petteri Taalas.

Was muss geschehen?

COVID-19 sei keine Lösung für den Klimawandel, so Taalas weiter. Trotzdem sehe er jetzt die Möglichkeit, nachhaltiger und ehrgeiziger zu agieren, um die Emissionen zu minimieren. Er fordert deshalb eine komplette Transformation der Industrie und von Energie- und Mobilitätskonzepten. Interessant ist auch, dass er dabei nicht glaubt, dass sich unser tägliches Leben stark verändern würde, wenn wir anfangen, die Wirtschaft nachhaltig zu verändern. Vielmehr vertritt er die Ansicht, dass die technischen Voraussetzungen, die es braucht, um eine CO2-neutrale Industrie zu schaffen, schon jetzt vorhanden seien. Er fordert, dass sich viele Nationen zu einer CO2-Neutralität verpflichten sollen.

So gerne man sich auch guten Meldungen über sinkende CO2-Emissionen hingibt, ich finde, ein Trendwechsel in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung während der Pandemie ist leider nicht zu erkennen. Der Bericht der WMO zeigt sogar, dass die Werte der Gase in der Atmosphäre Jahr für Jahr weiter ansteigen und ein bedrohliches Ausmaß annehmen. Um das vom Weltklimarat angepeilte 1.5 Grad Ziel überhaupt einhalten zu können, sind die Forderungen, die Taalas in Richtung Wirtschaft, Industrie und vor allem an die Politik sendet, die einzige Möglichkeit, den Klimawandel abzuschwächen. Denn eins ist jetzt schon sicher: Für die Folgen der Klimakatastrophe wird es keinen Impfstoff geben.



QUELLE:
World Meteorological Organization: Carbon dioxide levels continue at record levels, despite COVID-19 lockdown

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