Klima

Hört auf, Klimaschutz und Artenschutz gegeneinander auszuspielen

By 13 Dezember 2023 No Comments
Hört auf, Klimaschutz und Artenschutz gegeneinander auszuspielen - Ein Kommentar. Illustration von zwei Personen, die miteinander diskutieren

Ein Meinungsbeitrag

Öko gegen Bio?

Illustration von zwei Personen, die miteinander über Klimaschutz und Artenschutz diskutieren

Immer wieder lesen wir, dass die Energiewende schlecht für die Biodiversität sei. Oft geht es dabei um die Sorge, dass der Ausbau regenerativer Energien Flächen in Anspruch nimmt, die Teil von wichtigen Ökosystemen sind. Oder dass zu viele Vögel durch Windkraftanlagen getötet werden.
Was ist dran an der Debatte – und warum macht es keinen Sinn, eine Krise über die andere zu stellen?

Ohne Klimaschutz kein Artenschutz, ohne Artenschutz kein Klimaschutz

Die Biodiversitäts- und die Klimakrise sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Steigen die globalen Temperaturen weiter ungebremst an, bedeutet das den sicheren Tod zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Legen wir dagegen keinen Fokus auf den Erhalt von Ökosystemen, fördert das ein instabiles Klima – ganz abgesehen davon, dass für die Menschen lebenswichtige Kreisläufe zusammenbrechen.

Während die Klimakrise in der aktuellen Debatte sehr präsent ist, geht die Biodiversitätskrise oft etwas unter. Völlig zu unrecht. Rund eine Millionen Tier- und Pflanzenarten stoßen laut Weltbiodiversitätsrat IPBES (PDF) derzeit an eine gefährliche Grenze der Ausrottung, viele davon in den nächsten Jahrzehnten. Das ist eine globale Aussterberate, die um ein Vielfaches höher ist als der Durchschnitt der letzten 10 Millionen Jahre.

Ein Indikator dafür, dass wir uns derzeit im sechsten Massensterben der Erdgeschichte befinden, mit fatalen Folgen für uns Menschen.

Megaphon

Bedenken, ob weitere Wälder und Wiesen wirklich Monokulturen für Biomasse weichen sollten, müssen deshalb ernstgenommen werden. Zwar eignet sich der speicherfähige Energieträger auf den ersten Blick gut als Ergänzung zu Wind- und Sonnenenergie. Doch der Anbau bringt gefährliche Nebenwirkungen für Mensch und Umwelt mit sich  – darunter die Zerstörung wichtiger Ökosysteme und höhere Preise für Nahrungsmittel.

Brauchen wir Biomasse für die Energiewende?

Derzeit stellt Biomasse den größten Anteil unter den erneuerbaren Energien zur Verfügung. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt jedoch, dass ein Strommix ohne Biomasse im Jahr 2050 möglich ist. Darauf sollten wir also hinarbeiten.

Brauchen wir Windkraft?

Ein weiterer sogenannter “Streitpunkt” zwischen Natur und Klima: Windkraftanlagen, die mehrere Vogelarten an den Rand des Aussterbens drängen sollen. Auch dieses Argument muss, wenn es nicht gerade strategisch von Anti-Windkraft-Vereinen oder Hobby-Ornithologen wie Donald Trump oder Alice Weidel gestreut wird, erstmal ernstgenommen werden.

Katze spielt mit einem Globus

Wie viele Vögel, Fledermäuse und Insekten sterben tatsächlich durch Windkraftanlagen? Das ist sehr schwer zu erheben. Eindeutig ist jedoch, dass sie nur einen kleinen Teil des Vogelschwunds zu verantworten haben. Katzen und Fenster aus Glas haben deutlich mehr Vögel auf dem Gewissen. Nichts gegen Katzen, aber wann haben die sich eigentlich mal in der größten Krise der Menschheit nützlich gemacht?

Ohne Windkraft wird die Energiewende nicht gelingen. Ohne Energiewende schaffen wir es nicht, die globale Erhitzung zu bremsen. Wenn wir das nicht schaffen, werden unzählige Vogelarten aussterben. 

Jeder tote Vogel ist einer zu viel. Doch es gibt Ansätze, um die Zahl der Kollisionen möglichst gering zu halten. So haben Forschende Hotspots in Europa identifiziert, an denen Vögel besonders gefährdet sind. Diese können in der Planung von Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Eine weitere Option ist es, die Windkraftanlagen während der Brut- und Ausflugszeiten auszuschalten.

Klimaschutz und Artenschutz: Oft sind die beiden Freunde

Nachdem wir jetzt Kompromisse für zwei potenzielle Brandherde zwischen den beiden Krisen gefunden haben, kommt jetzt das Beste: Zwei Drittel der globalen Ziele zum Erhalt der Biodiversität helfen auch gegen den Klimawandel.

So beispielsweise das Biodiversitätsziel, auf mindestens 30 Prozent der Erde Schutzgebiete über Korridore oder weitere Schutzgebiete miteinander zu vernetzen.

Fazit

Ja, in manchen Fällen scheinen die Ziele von Artenschutz und Klimaschutz zu kollidieren. Hier gilt es sowohl den Nutzen als auch die Kosten für Mensch und Umwelt abzuwägen. 

Was nicht hilft: Die beiden als Gegner zu inszenieren, die sich gegenseitig die Show stehlen wollen. Denn entweder gewinnen beide – oder keiner.

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